Bei mir piepst’s wohl…

Ich weiss, was ihr jetzt sicher denkt. Dass es ziemlich lange gedauert hat, bis ich das zugebe. Nun ja, da habt ihr vielleicht auch recht – aber mein Piepsen hat eine erklärbare Herkunft.

Wenn ihr mit mir redet und ich nicht reagiere oder eine unpassende Antwort gebe, kommen wir der Ursache schon etwas näher. Ich bin, wie es so schön heisst, schwerhörig. Auf jedem Ohr ca. 50 % – dies nennt man eine mittlere Schwerhörigkeit. Das Piepsen in meinen Ohren bedeutet kurz und gut, dass die Batterie meines Hörgeräts leer ist. Kaum bin ich mal aus dem Haus und auf das uneingeschränkte Hören angewiesen, meldet sich ganz bestimmt dieser Piepston.
Das Piepsen hört sich an wie die Barriere beim Bahnübergang und eigentlich ist das Hörproblem auch sehr gut damit zu vergleichen – eine Barriere im Leben. Eine gestörte Verbindung zur Aussenwelt, genau wie eine Barriere behindern kann. Seit elf Jahren habe ich nun Hörgeräte und wenn ich aus dem Haus gehe, trage ich diese fast immer. Zu Hause habe ich auch gerne mal Ruhe und da sind keine Hörgeräte eine wirklich gute Sache.

Schon seit längerem verbringe ich kaum mehr Zeit vor dem TV. Filme sind fast immer mit Hintergrundmusik überlastet und Diskussionen sind anstrengend zu verstehen.

Der gutgemeinte Ratschlag, ich solle doch meine Hörgeräte einschalten ist zwar lieb, aber so wirklich gut ist das Resultat trotzdem nicht. Nicht die Lautstärke ist das Problem, es sind die verschiedenen Laute, die ich trotz allem nicht deutlich verstehen kann.
Meine Hörgeräte der neusten Generation sind per App zu steuern und ich kann auch den Ton des TV direkt via Bluetooth auf meine Hörgeräte schalten.

Stellt euch das mal so vor. Im TV läuft the Voice of Germany, eine Sendung, welche ich am Sonntag das allererste Mal geschaut habe. Die Sängerinnen und Sänger geben ihr Bestes und ich sitze da, in meinem Gehirn kommt der Ton zwar an aber mit Verspätung zum Bild und die Qualität ist in etwa mit Sardinenbüchsen-Akustik zu beschreiben. Oder vielleicht sogar nur eine Sardellenbüchse?
So macht es einfach weder Spass noch Freude und wenn ich wirklich was sehen und gleichzeitig verstehen will, bleibt mir nichts anderes übrig, als ein Kopfhörer zu tragen. Trotz der ganzen modernen Technik, ist Schwerhörigkeit eine Barriere zur Aussenwelt, die es zu überwinden oder eben zu akzeptieren gilt.  

Schwerhörigkeit ist wie trauern. Nur wer wirklich selber betroffen ist, weiss was Trauer bedeutet und wie sich das anfühlt. Vom Hörensagen, kann man das nicht nachempfinden und auch nicht verstehen und ums Verstehen geht es bei einer Schwerhörigkeit. Jawohl, ums VERSTEHEN nicht ums HÖREN!
Ich danke euch für eure Geduld und euer Verständnis, wenn ich wieder mal nicht reagiere oder irgendwie daneben antworte. Not macht erfinderisch und manchmal ist es auch eine echte Wohltat nicht alles verstehen zu müssen oder zu wollen.  Ich freue mich  auf die heutige Folge von The Voice, diesmal garantiert MIT Kopfhörern.

Eure schlecht verstehende
Piccolina

5 Gedanken zu “Bei mir piepst’s wohl…

  1. Pingback: Glück gehabt … – Piccolina – klein aber oho

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