Sonntags-Modus …

Immer wieder sonntags … sitze ich beim Frühstück und ich komme einfach nicht in die Gänge.  Früher war der Sonntag für mich immer ein besonders kreativer und produktiver Tag. Sicher, es gab auch viele ungeliebte Arbeiten, die ich aber trotz allem immer am Sonntag erledigt habe. Zum Beispiel meine Buchhaltung – glücklicherweise habe ich die seit einigen Jahren ausgelagert🙂

Zahlungen erledigen, Schreibkram allgemein und Büroarbeiten im Besonderen. Der Sonntag war immer ruhig, wenig bis gar keine Telefonate, keine fremden Menschen die plötzlich an meiner Türe klingeln für einen „Atelier-Besuch“.  Während meiner Zeit als Angestellte im Gastgewerbe und Hotellerie waren die Sonntage normale, oder sogar besonders anstrengende Arbeitstage. Als selbständige Scherenschneiderin konnte und kann ich mir meine Arbeitszeit selber einteilen und trotzdem ist der Sonntag immer etwas Besonderes. Mein verstorbener Mann hatte immer im Gastgewerbe gearbeitet und auch er empfand das Arbeiten am Sonntag ebenso normal wie ich. Gleiches galt übrigens auch für Weihnachten, Silvester, Geburtstag und andere Feiertage.  Wir waren immer sehr zufrieden mit dieser Wochenaufteilung, weil unser Wochenende halt irgendwann während der Woche stattgefunden hat.

Das hatte für uns nur Vorteile. Es gab weniger Sonntagsfahrer auf der Strasse, weniger Motorradfahrer auf den schönen kurvigen Schweizer Pässen, wesentlich weniger Leute auf den Skipisten und die Geschäfte waren alle offen. An die unangebrachten Fragen und Bemerkungen hatten wir uns schon lange gewöhnt und hatten es aufgegeben, uns rechtfertigen zu müssen, weil wir z.B. Montag/Dienstag unsere freien Tage genossen haben.

Die Aussicht auf die bevorstehende Pensionierung meines Mannes hatte uns viele Pläne schmieden lassen, welche leider durch seinen Tod nicht in Erfüllung gegangen sind. Alleine habe ich weder Lust noch Motivation den Sonntag als speziellen Tag der Woche zu feiern, im Gegenteil. Ich wünsche mir diese „alten normalen Sonntage“ aus der unbeschwerten Zeit meines Lebens zurück.

Ich vermeide ganz bewusst alles was nach Sonntags-Programm und Familientag aussehen könnte. Ich denke aber auch an all die vielen Menschen, die sonntags immer arbeiten müssen und habe das Bedürfnis einfach mal ein ganz grosses DANKESCHÖN zu sagen.  Die mitfühlenden Angestellten in allen Spitälern, Pflege- und Altersheimen, die fleissigen und unermüdlich dienenden Menschen in Restaurants und Hotels, alle Verantwortlichen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und das aufmerksame Sicherheitspersonal. Einfach ALLEN die am Sonntag arbeiten müssen – D A N K E!

Immer wieder und so auch heute, hänge ich dann zuerst eine Weile meinen Gedanken und Erinnerungen nach und brauche etwas Zeit um mich zu motivieren.

Noch eine Tasse Kaffee und dann … Piano üben, Zahlungen machen, Blumen giessen (das mache ich übrigens ganz unbewusst IMMER am Sonntag), meine Teilnahme am Weihnachtsmarkt weiter vorbereiten und „schnäfle“ und falls dann wider Erwarten doch noch etwas vom Sonntag übrigbleibt, werde ich mir ein schönes Feuerchen im Schwedenofen machen und das ganz bewusst in Ruhe und Dankbarkeit geniessen und mich auf den Montag freuen.

Einen schönen und gemütlichen Sonntag euch allen

eure Piccolina

 

Mäuse melken … oder so!

Neulich, mit einer Freundin im Restaurant: Auf mein Drängen hin setzten wir uns an einen dieser Hochtische. Meine Entscheidung. Die Bemerkung dazu kam auch gleich nachgeliefert. Ach, ich weiss warum du hier oben sitzen willst, du möchtest wohl auch mal etwas von oben betrachten. Genau, das war der Grund. Wie ich sehr schnell bemerken musste, war dieser Hochsitz absolut unbequem. Wohin mit den zu kurzen Beinen? Unter dem Tisch gab es keine Querverstrebung und die Stühle waren auch nicht sonderlich bequem. Okay, das war also mein Fehlentscheid. Wir plauderten über dies und das, über ihre kürzliche Reise, über Haltedauer und Farbe des Nagellacks u.v.m.

Ich machte ihr ein Kompliment für ihre wunderschönen weissen Haare. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich immer gedacht, die seien gefärbt. Wir begannen von unserem Hochsitz aus nach rechts und links zu schauen und Menschen und deren Frisuren zu begutachten. Links von mir ein wirklich gutaussehender Mann mit unglaublich schönen Locken, in allen schwarz-grau-weiss Nuancen. Mehrere Männer ohne Haare auf dem Kopf, aber mit umso grosszügigerem Haarwuchs im Gesicht.  Frauen in unserem Alter mit vorwiegend kurzen Haaren und all die jungen Frauen mit ihren schönen, wallenden Mähnen. Links von mir ein Mann mit gelb kariertem Sakko und einem wirklich schlechtsitzenden Vollflächen-Haarersatz. Eine gestrickte Mütze hätte ihm besser gestanden – und wäre auch warm gewesen. Mein Blick schweifte nach unten, wo ich mindestens eine ebenfalls karierte Knickerbocker-Hose erwartete. Er schien wie aus einem Film entstiegen.

Weiss der Geier, wie wir plötzlich beim Thema Murmelisalbe angelangt sind. Sicher haben unsere frei hängenden, halbtauben und schmerzenden Beine auf den Hochstühlen das ihre dazu beigetragen. Oder unsere Arthrose lässt grüssen. Ich bin kein Freund von Murmelisalbe, bin ich doch mit diesem Wundermittel in meiner Familie aufgewachsen.  Es gibt die wärmende und kühlende Version und mein Vater benutzte sie beide. Dann noch diese übelriechende grüne Masse, die aus dem Giftschrank des Veterinärs stammt – sogenannte echte Pferdesalbe.

Wir kreisten gedanklich immer noch um die Murmelisalbe und ich ergänzte, dass wir das Murmelischmutz nennen. Genau in dem Moment wurde mir klar, dass sich meine Begleiterin bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war, was Murmelischmutz überhaupt ist. Ihre Augen wurden riesig und sie fragte ganz entsetzt … WIE JETZT, bedeutet das, dass die Murmeli für die Herstellung der Salbe getötet werden?“ Ich glaubte, ich hör nicht recht. Trotz der Tragik fiel ich in einen kaum endenden Lachanfall. Ihr Gesichtsausdruck war so unvergesslich und alle Leute rund herum mit den schönen und weniger schönen (oder fehlenden) Frisuren haben sich zu uns umgedreht, weil wir beide fast vom Hochstuhl runtergefallen sind. Na ja, ich verstand ja ihre Frage schon auch ein wenig, in der Pferdesalbe sind ja schliesslich auch keine Pferde drin.

Auf meine Frage, wie sie sich das denn so vorgestellt habe mit der Murmelisalbe, wusste sie nicht wirklich eine Antwort.  Vielleicht durch Murmeli melken?  Man sagt doch auch – es ist zum Mäuse melken. Also müsste das doch eigentlich möglich sein?

Wir haben so viel und laut gelacht und dabei fast das Essen vergessen. Ich sollte mal mit den Herstellern der Murmelisalbe Kontakt aufnehmen und ihnen sagen, dass man mit oder besser wegen der Murmelisalbe erwiesenermassen auch abnehmen könne.

Ich freue mich schon auf unsere nächste Lachrunde. Das nächste Mal verzichte ich aber freiwillig auf die Aussicht vom Hochsitz.

einen schönen Sonntag
eure Piccolina

 

 

 

 

 

 

Alles für die Katz …

Natürlich weiss ich, dass es Tierkommunikation gibt. Ich habe mich aber bisher mit diesem Thema nie näher beschäftigt. Meinem Alter entsprechend habe ich gelernt, nicht mehr immer alles zu glauben oder alles hinterfragen zu müssen.  Was ich nie für möglich gehalten habe, scheint aber mit fortschreitendem Alter doch noch einzutreffen.  Gelassenheit ist ein gutes Gefühl und es erleichtert das alltägliche Leben.

Gepackt von melancholischen Gefühlen und Erinnerungen und vom schmerzlichen Gefühl des Vermissens, falle ich trotz meiner gewonnen Gelassenheit immer wieder mal in eine traurige Stimmung.  Okay, vielleicht ist es ja auch einfach der November-Blues oder die vorweihnachtliche Mini-Depression.

Egal was es ist, es sind Momente wo das Alleinsein schmerzhaft ist und es sind genau jene Augenblicke, in welchen ich mir wünsche, mit meinen Katzen Grisou und Skippy reden zu können. Grisou schaut mich jeweils etwas erstaunt an und verzieht sich an einen seiner vielen Lieblingsplätzen. Skippy, der Schmeichler, legt sein Köpfchen schief, stellt seine Ohren auf Empfang und kommt zu mir. Am liebsten legt er sich dann fast auf mich und er leckt und schnurrt und reibt sein Köpfchen ohne Ende in meiner Hand.  

Genau in diesen Momenten, möchte ich ihm so gerne erklären können, warum mir die Tränen übers Gesicht laufen.  Warum ich traurig bin und dass es nicht wegen ihm ist.  Klar, ich sage ihm das jedes Mal. Aber ob er es wirklich versteht?  Ich entschuldige mich bei Skippy, dass er und sein Freund Grisou an unserem neuen Wohnort leider keinen Freigang mehr haben.  Dass keine Mäuse mehr auf seinem Menüplan stehen und warum ein hohes Netz unsere schöne Terrasse von der Aussenwelt abgrenzt.  Ich erkläre ihm auch warum wir nur noch zu dritt sind und dass mein Mann uns nicht verlassen hat weil es ihm mit uns nicht mehr gefallen hat. Er hätte sich bestimmt von uns verabschiedet, wenn er gewusst hätte, dass er nie mehr nach Hause zurückkehren würde. 

Ich weiss, dass ich die Katzensprache nie beherrschen werde aber es ist schön zu wissen und zu spüren, dass wir uns auch ohne Worte verstehen und uns nahe sind. Dieses Gefühl gibt wieder Kraft und Mut für den neuen Tag.

Wie heisst es doch? Reden ist Silber, Schweigen ist Gold? Oder – alles Reden für die Katz! Wie gerne würde ich ihre Antworten verstehen können.  Oder vielleicht auch nur mal wissen, was die beiden so denken? Oder kann eine Katze gar nicht denken? Nicht denken, weil sie fast den ganzen Tag irgendwo entspannt schläft. Heisst das vielleicht, dass ich es mal mit einem Winterschlaf versuchen sollte? Von sofort bis zum 4. Januar zum Beispiel?

Schön, dass es euch gibt Grisou und Skippy!

Miau, eure Piccolina 

 

Rückblick auf ein hartes Jahr

Von Herzen alles Gute für meine liebe Little Sis und ihren Göga und ihre ganze Familie. Nur zu gut kann ich euch nachempfinden wie sich das alles anfühlt. Der Krebs betrifft nämlich alle, die den Weg mitgehen. Besser kann man diese unglaublich schwierige Situation nicht beschreiben. Durch diesen Krebs habe ich euch, eine ganz tolle und starke Familie kennenlernen dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar und ich werde immer für euch da sein. Ich wünsche euch alles Glück dieser Erde und noch viele schöne glückliche gemeinsame Jahre mit dem Wissen – NIEMAND weiss was morgen ist.

MODEPRALINE

Am 12. November letzten Jahres wurde uns von einer Sekunde auf die andere der Boden unter den Füssen weggezogen. Ohne Vorahnung, ohne Vorwarnung, ohne ein sachtes Gespräch wurden wir mit der Krebsdiagnose meines Göttergatten konfrontiert. Auf dem Korridor des Krankenhauses. Der Boden unter den Füssen tat sich auf und – da war nur noch ein schwarzer Abgrund.

Die Diagnose war niederschmetternd, die Prognose noch viel mehr. Nach dem ersten Schock legten wir zusammen mit dem Göttergatten den Schalter auf Kampfmodus um. Aufgeben war von der ersten Sekunde an keine Option, obwohl man uns sehr entmutigt nach Hause entlassen wollte. Noch heute höre ich den Satz des Arztes: „Auf ein paar Wochen kommt es bei ihrem Mann nicht mehr an.“

Jetzt, zwei schwere Operationen, diverse Bestrahlungen und pausenlose Chemiekäulen später, sitzt mir mein Göttergatte munter gegenüber. EIN JAHR SPÄTER! Wer hätte das damals gedacht? Kein einfacher Weg, den wir da in…

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Parkhäuser beissen nicht…..

… so lautete das tröstende Versprechen meiner Herzens-Schwester. Wir sind nicht wirklich Schwestern, aber irgendwie können sich biologische Schwestern fast nicht ähnlicher oder näher sein, als wir beide. Little-Sis weiss also von meiner Parkplatz-Phobie. Nein, das ist nicht etwa eine neue Erkrankung, daran leide ich schon ein paar Jahre. Früher ist mein Mann meistens gefahren und es hat schon gereicht, wenn ich Tage oder Stunden vor der geplanten Abfahrt mit diesen Gefühlen als Beifahrer fertig werden musste.

Einerseits die Angst, keinen freien Parkplatz zu finden, andererseits einen zu finden und nicht reinfahren zu können – oder noch schlimmer, aus dem Parkplatz nicht mehr rauszukommen. Als Besitzerin eines Halbtax-Abos könnte ich stark frequentierte Orte auch sehr gut mit dem Zug erreichen. Gestern war das leider nicht möglich, weil ich eine grosse Lieferung Papierwaren für den nahenden Weihnachtsmarkt abholen wollte.

Mein Navigationsgerät hätte mich problemlos an die erste Adresse gelotst. Hätte, weil ich kurz vor dem Ziel zur früh abgebogen bin und daher noch eine Zusatzschlaufe fahren durfte. Ware verladen – alles klar – neues Ziel ins Navy eingeben. Parkhaus Metro in Bern. Ich habe noch nie verstanden wie ich auf dem Auto-Navy ein Parkhaus finde ohne Angabe der genauen Adresse. Das muss doch irgendwie möglich sein. Findet man das vielleicht unter Sehenswürdigkeiten? Also suchte ich mir via Handy die Adresse vom Parkhaus und los gings. OMG … die Fahrt ging mitten durch die Stadt und ich wurde mit jedem Meter verkrampfter und ängstlicher. Rotlichter wo man hinschaute, mehrspurige Strassen, Fussgänger noch und noch und dann noch ein Tram, und ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wo ich war.

Da mein Ziel jetzt Waisenhausplatz 19 lautete, fand ich mich plötzlich, aber nicht ganz unerwartet, allein auf dem Waisenhausplatz wieder. Ich sah Marktstände und viele Menschen und einen relativ leeren Platz mit vielen Pollern und mir wurde klar, dass ich AUF dem Dach des gesuchten Parkhauses stand. Zu einer erneuten Suche im Handy ist es nicht mehr gekommen, weil plötzlich ein anderes Auto hinter mir stand.  Ob ich wohl nicht die Einzige war, die sich hierher verfahren hatte? Der Fahrer hinter mir zeigte sich geduldig und ich fuhr los. Gerade als ich wiederum in die gleiche Schlaufe einbiegen wollte, sah ich vor mir das Schild für das Metro-Parking. Aufatmen und Entspannung für ein paar Sekunden.

Lange hielt die Entspannung nicht an, die Einfahrt ist eng und an den Wänden sind überall Spuren von Vorgängern welche die Kurve nicht gekriegt haben:-) Peinlich wirds immer beim Ticket-Automaten. Obwohl ich wirklich mit kleinstmöglichem Abstand am Automaten vorbeifahre, muss ich immer zuerst den Gurt lösen, bevor meine kurzen Arme den zu drückenden Knopf erreichen können.

Ich war drin …. und es wurde noch besser. Mittagszeit und die Anzeige lautete auf 11 freie Plätze, da würde doch wohl einer dabei sein für mich. Schliesslich habe ich ja seit einiger Zeit einen sehr hilfreichen Engel und er hat mich bis jetzt in solchen Situationen noch nie im Stich gelassen.  Allein der Gedanke an meinen Parkplatz-Engel gibt mir den Mut, bis ans Limit zu gehen.  Im 2 UG Platz Nr. 420 war frei und ich schaffte es beim ersten Versuch, korrekt und mittig zu parkieren. Ein paar Mal durchatmen, Schweisstropfen von meiner Stirne wischen, Parkplatznummer im Handy auf der Website von Metro speichern und los ging mein Abenteuer in der für mich grossen Stadt.

Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag, plauderten und lachten und auch ein paar Tränen stiegen kurzfristig mal auf. Beim abschliessenden Spaziergang durch die schöne Berner Altstadt gönnten wir uns einen sehr amüsanten und erfolgreichen Abstecher ins Müesli-Paradies.

Bei der Parkhaus-Kasse ein gegenseitiger fester Drücker und wir wussten beide, dass wir uns schon sehr bald wiedersehen wollen. Dann mein mutiger Abstieg in die Katakomben des Parkhauses und Heimfahrt in die dunkle Nacht – wohlverstanden, mitten im Feierabendverkehr.

Ich finde, nach Hause fahren ist immer viel einfacher, aber ich bin froh und auch ein bisschen stolz, dass ich das geschafft habe und ich werde es bestimmt wieder und wieder tun. Mein Parkplatz-Engel hat jetzt wieder mal eine Pause verdient und ich lege einen Arbeitstag mit Piano-Pause ein.

Und es ist wirklich wahr, Parkhäuser beissen nicht!

eure stadtgewandte Piccolina

 

Mein Erstlingswerk…

Als 6-jährige habe ich das erste Mal bewusst einen Scherenschnitt bewundert. 

Mein Mami war Mitglied im damaligen Kunstverein Saanenland und ich durfte mit ihr zusammen die Plakate für die zweite Ausstellung aufhängen. Für sie war es die erste Ausstellung mit ihren Kupferarbeiten. Wie gut erinnere ich mich an all die Ketten und Gebrauchsgegenstände, die sie liebevoll zugeschnitten, gehämmert, zusammengesetzt, emailliert und lackiert hat.

Stolz besuchten wir – die ganze Familie – die Vernissage im alten Schulhaus in Schönried. Die Schulstuben mit den hohen Türschwellen und den Holzböden sind mir in bester Erinnerung. Ebenso der feine Hobelkäse und die goldige Züpfe.  Ich erinnere mich so gut an diese Ausstellung als ob es gestern gewesen wäre. Landschaftsbilder, Rosenbilder, Webteppiche und Scherenschnitte.

Meine erste Begegnung mit dem Scherenschnitt bleibt unvergessen. Der ausstellende Künstler war und bleibt für mich immer das ganz grosse Vorbild. Ich konnte nicht verstehen, wie dieser für mich grosse und alte Mann mit seinen groben Händen so etwas Feines herstellen konnte.  Ob er wirklich alt und gross war, bin ich mir heute nicht mehr so sicher, aber als 6-jährige habe ich das so empfunden.

Viele Jahre später, habe ich Christian Schwizgebel persönlich kennen gelernt. Direkt vor seinem Haus war mir ein Reh ins Auto gelaufen. Das Reh blieb zwar zuerst liegen. Glücklicherweise hatten wir aber beide nicht mehr als einen Schock. Christian hat das Reh in seinem Gehege aufgenommen und gepflegt und nach ein paar Tagen wieder freigelassen. 

An einem Mittwoch im März 1984 war es dann soweit. Ich kaufte mir Scherenschnittpapier und in der Drogerie eine kleine Hautschere. Ich weiss ganz genau, dass es ein Mittwoch war. Meine Mutter hatte am Mittwoch immer Spätdienst an der Kasse im Hallenbad in Gstaad und als sie nach Hause kam, präsentierte ich ihr voller Stolz meinen allerersten Scherenschnitt.

Erstlingswerk

Ein Virus hatte mich gepackt und er hat mich bis heute nie mehr losgelassen. Scherenschneiden macht absolut süchtig. Es gibt Zeiten in denen die Sucht extrem gross ist und dann auch wieder Zeiten, wo ich mich fast wieder virenfrei fühle. Die Freude an der Arbeit, die ist geblieben und für mich ist das Scherenschneiden mein Kraftort und gleichermassen Energie- und Ruhespender.

Wer hätte damals denken können, dass es schon 5 Jahre später mein Beruf werden könnte.  Ich kann kaum glauben, dass der Scherenschnitt mich bereits das halbe Leben begleitet.  Es gibt Scherenschneider die schreiben über Ihr Schaffen ein Buch, ich werde mich mit einigen Blog-Beiträgen begnügen.

bald mehr von meiner „schnittigen“ Seite

eure Piccolina