Mein Erstlingswerk…

Als 6-jährige habe ich das erste Mal bewusst einen Scherenschnitt bewundert. 

Mein Mami war Mitglied im damaligen Kunstverein Saanenland und ich durfte mit ihr zusammen die Plakate für die zweite Ausstellung aufhängen. Für sie war es die erste Ausstellung mit ihren Kupferarbeiten. Wie gut erinnere ich mich an all die Ketten und Gebrauchsgegenstände, die sie liebevoll zugeschnitten, gehämmert, zusammengesetzt, emailliert und lackiert hat.

Stolz besuchten wir – die ganze Familie – die Vernissage im alten Schulhaus in Schönried. Die Schulstuben mit den hohen Türschwellen und den Holzböden sind mir in bester Erinnerung. Ebenso der feine Hobelkäse und die goldige Züpfe.  Ich erinnere mich so gut an diese Ausstellung als ob es gestern gewesen wäre. Landschaftsbilder, Rosenbilder, Webteppiche und Scherenschnitte.

Meine erste Begegnung mit dem Scherenschnitt bleibt unvergessen. Der ausstellende Künstler war und bleibt für mich immer das ganz grosse Vorbild. Ich konnte nicht verstehen, wie dieser für mich grosse und alte Mann mit seinen groben Händen so etwas Feines herstellen konnte.  Ob er wirklich alt und gross war, bin ich mir heute nicht mehr so sicher, aber als 6-jährige habe ich das so empfunden.

Viele Jahre später, habe ich Christian Schwizgebel persönlich kennen gelernt. Direkt vor seinem Haus war mir ein Reh ins Auto gelaufen. Das Reh blieb zwar zuerst liegen. Glücklicherweise hatten wir aber beide nicht mehr als einen Schock. Christian hat das Reh in seinem Gehege aufgenommen und gepflegt und nach ein paar Tagen wieder freigelassen. 

An einem Mittwoch im März 1984 war es dann soweit. Ich kaufte mir Scherenschnittpapier und in der Drogerie eine kleine Hautschere. Ich weiss ganz genau, dass es ein Mittwoch war. Meine Mutter hatte am Mittwoch immer Spätdienst an der Kasse im Hallenbad in Gstaad und als sie nach Hause kam, präsentierte ich ihr voller Stolz meinen allerersten Scherenschnitt.

Erstlingswerk

Ein Virus hatte mich gepackt und er hat mich bis heute nie mehr losgelassen. Scherenschneiden macht absolut süchtig. Es gibt Zeiten in denen die Sucht extrem gross ist und dann auch wieder Zeiten, wo ich mich fast wieder virenfrei fühle. Die Freude an der Arbeit, die ist geblieben und für mich ist das Scherenschneiden mein Kraftort und gleichermassen Energie- und Ruhespender.

Wer hätte damals denken können, dass es schon 5 Jahre später mein Beruf werden könnte.  Ich kann kaum glauben, dass der Scherenschnitt mich bereits das halbe Leben begleitet.  Es gibt Scherenschneider die schreiben über Ihr Schaffen ein Buch, ich werde mich mit einigen Blog-Beiträgen begnügen.

bald mehr von meiner „schnittigen“ Seite

eure Piccolina

3 Gedanken zu “Mein Erstlingswerk…

  1. Pingback: Nichts ist unmöglich … – Piccolina – klein aber oho

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