Parkhäuser beissen nicht…..

… so lautete das tröstende Versprechen meiner Herzens-Schwester. Wir sind nicht wirklich Schwestern, aber irgendwie können sich biologische Schwestern fast nicht ähnlicher oder näher sein, als wir beide. Little-Sis weiss also von meiner Parkplatz-Phobie. Nein, das ist nicht etwa eine neue Erkrankung, daran leide ich schon ein paar Jahre. Früher ist mein Mann meistens gefahren und es hat schon gereicht, wenn ich Tage oder Stunden vor der geplanten Abfahrt mit diesen Gefühlen als Beifahrer fertig werden musste.

Einerseits die Angst, keinen freien Parkplatz zu finden, andererseits einen zu finden und nicht reinfahren zu können – oder noch schlimmer, aus dem Parkplatz nicht mehr rauszukommen. Als Besitzerin eines Halbtax-Abos könnte ich stark frequentierte Orte auch sehr gut mit dem Zug erreichen. Gestern war das leider nicht möglich, weil ich eine grosse Lieferung Papierwaren für den nahenden Weihnachtsmarkt abholen wollte.

Mein Navigationsgerät hätte mich problemlos an die erste Adresse gelotst. Hätte, weil ich kurz vor dem Ziel zur früh abgebogen bin und daher noch eine Zusatzschlaufe fahren durfte. Ware verladen – alles klar – neues Ziel ins Navy eingeben. Parkhaus Metro in Bern. Ich habe noch nie verstanden wie ich auf dem Auto-Navy ein Parkhaus finde ohne Angabe der genauen Adresse. Das muss doch irgendwie möglich sein. Findet man das vielleicht unter Sehenswürdigkeiten? Also suchte ich mir via Handy die Adresse vom Parkhaus und los gings. OMG … die Fahrt ging mitten durch die Stadt und ich wurde mit jedem Meter verkrampfter und ängstlicher. Rotlichter wo man hinschaute, mehrspurige Strassen, Fussgänger noch und noch und dann noch ein Tram, und ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wo ich war.

Da mein Ziel jetzt Waisenhausplatz 19 lautete, fand ich mich plötzlich, aber nicht ganz unerwartet, allein auf dem Waisenhausplatz wieder. Ich sah Marktstände und viele Menschen und einen relativ leeren Platz mit vielen Pollern und mir wurde klar, dass ich AUF dem Dach des gesuchten Parkhauses stand. Zu einer erneuten Suche im Handy ist es nicht mehr gekommen, weil plötzlich ein anderes Auto hinter mir stand.  Ob ich wohl nicht die Einzige war, die sich hierher verfahren hatte? Der Fahrer hinter mir zeigte sich geduldig und ich fuhr los. Gerade als ich wiederum in die gleiche Schlaufe einbiegen wollte, sah ich vor mir das Schild für das Metro-Parking. Aufatmen und Entspannung für ein paar Sekunden.

Lange hielt die Entspannung nicht an, die Einfahrt ist eng und an den Wänden sind überall Spuren von Vorgängern welche die Kurve nicht gekriegt haben:-) Peinlich wirds immer beim Ticket-Automaten. Obwohl ich wirklich mit kleinstmöglichem Abstand am Automaten vorbeifahre, muss ich immer zuerst den Gurt lösen, bevor meine kurzen Arme den zu drückenden Knopf erreichen können.

Ich war drin …. und es wurde noch besser. Mittagszeit und die Anzeige lautete auf 11 freie Plätze, da würde doch wohl einer dabei sein für mich. Schliesslich habe ich ja seit einiger Zeit einen sehr hilfreichen Engel und er hat mich bis jetzt in solchen Situationen noch nie im Stich gelassen.  Allein der Gedanke an meinen Parkplatz-Engel gibt mir den Mut, bis ans Limit zu gehen.  Im 2 UG Platz Nr. 420 war frei und ich schaffte es beim ersten Versuch, korrekt und mittig zu parkieren. Ein paar Mal durchatmen, Schweisstropfen von meiner Stirne wischen, Parkplatznummer im Handy auf der Website von Metro speichern und los ging mein Abenteuer in der für mich grossen Stadt.

Wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag, plauderten und lachten und auch ein paar Tränen stiegen kurzfristig mal auf. Beim abschliessenden Spaziergang durch die schöne Berner Altstadt gönnten wir uns einen sehr amüsanten und erfolgreichen Abstecher ins Müesli-Paradies.

Bei der Parkhaus-Kasse ein gegenseitiger fester Drücker und wir wussten beide, dass wir uns schon sehr bald wiedersehen wollen. Dann mein mutiger Abstieg in die Katakomben des Parkhauses und Heimfahrt in die dunkle Nacht – wohlverstanden, mitten im Feierabendverkehr.

Ich finde, nach Hause fahren ist immer viel einfacher, aber ich bin froh und auch ein bisschen stolz, dass ich das geschafft habe und ich werde es bestimmt wieder und wieder tun. Mein Parkplatz-Engel hat jetzt wieder mal eine Pause verdient und ich lege einen Arbeitstag mit Piano-Pause ein.

Und es ist wirklich wahr, Parkhäuser beissen nicht!

eure stadtgewandte Piccolina

 

2 Gedanken zu “Parkhäuser beissen nicht…..

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