Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Es war mir klar, dass ich nicht die Einzige bin die solch traurige Begegnungen zu meistern hat.  Passend zu meinem Blog-Beitrag Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen … möchte ich hier den heutigen Beitrag von Flohnmobil aufschalten.

Meine Liebe – es tut mir sehr leid, dass du das auch erleben musst. Nebst meiner unvergesslichen Begegnung auf dem Friedhof, haben mir netterweise zwei geschiedene Damen trostspendend aber unabhängig voneinander folgendes gesagt: sei „FROH“ ist dein Mann gestorben und ist er nicht mit einer ANDEREN auf und davon, so weisst du wenigstens WO ER IST! Wie kann man resp. Frau nur so gefühls- und respektlos sein – ich kann das einfach nicht verstehen.

Viel Kraft weiterhin liebe Frau Flohnmobil.

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich. Wir wissen wenig von einander. Die […]

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Nichts ist unmöglich …

Im Jahre 1984 habe ich meinen ersten Scherenschnitt gemacht. Man könnte auch sagen, dass es aus lauter Neugier geschehen ist. Wie mein Erstlingswerk ausgesehen hat, habe ich schon in meinem Beitrag „mein Erstlingswerk“ geschildert und bebildert. Seither sind bald 34 Jahre vergangen und ich denke, dass die Weiterentwicklung nie aufgehört hat. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass man sich in Sachen Weiterentwicklung auch selber sabotieren kann. Das Scherenschneiden ist seit 1988 mein Beruf und die meisten Werke entstanden als Auftragsarbeiten. Zwischendurch habe ich immer wieder ein bisschen experimentiert und dazugelernt.  Ich kann aber behaupten, dass ich meinem Stil vom ersten Tag an treu geblieben bin. An zahlreichen Ausstellungen habe ich seither mitgemacht und zusammen mit befreundeten Scherenschneidern kleinere Ausstellungen organisiert. 

Ein einziges Mal habe ich auf Wunsch eines Kunden auch etwas Farbiges geschnitten, habe aber sofort gespürt, dass dies nicht mir entspricht. Da es mein Beruf war und ich damit meinen Lebensunterhalt verdient habe, wollte ich mir auch nicht den Ast absägen, auf welchem ich gerade mal einigermassen bequem sitzen konnte. Aufgewachsen und während 59 Jahren wohnhaft im Saanenland, habe ich bis heute einen sehr engen Bezug zum dort „ansässigen“ traditionellen und typischen Stil des Scherenschnittes.

Auftragsarbeiten bedeuten immer wieder spannende und teilweise auch sehr aussergewöhnliche Herausforderungen, welche meinen Berufsalltag immer interessant gestalten. Trotzdem ist mir mein traditioneller Stil immer noch das Wichtigste und ich werde diesen Weg – solange ich schneiden kann – wohl auch nicht mehr verlassen.

34 Jahre Scherenschneiden, wovon 30 Jahre als Beruf – eine ziemliche lange Zeit. Ich überlege gerade, wieviele Jahre ich insgesamt wohl mit Papier und Schere in der Hand verbracht habe. Nicht immer ist alles gelungen und wie jeder andere Scherenschneider, habe ich am Anfang von meinem Vorbild Christian Schwizgebel abgeschaut, habe aber immer selber gezeichnet. Trotzdem habe ich innert kürzester Zeit meine eigene Bildsprache gefunden und wer sich ein bisschen mit dem Scherenschnitt befasst, kann meine Werke erkennen, genau wie man jeden anderen Künstler erkennen kann.

Das Thema Urheberrechtsverletzung und Missbrauch unserer Motive würde mehr als einen Blogbeitrag bedeuten und vielleicht komme ich später wirklich nochmal auf dieses Thema zurück. Das Kopieren ist auch ein grosses Thema. Sicher ist, dass der Scherenschnitt nicht NEU erfunden werden kann. Eine Art „déjà-vu“ ist jederzeit möglich und muss nicht mal willentlich geschehen.  Die Geschichte des Scherenschnittes ist sehr alt und führt weit zurück bis nach China. 

In der heutigen Zeit des Internets haben leider auch viele fantasielose Menschen das Gefühl, es handle sich hierbei um einen Selbstbedienungsladen und alles, aber wirklich auch alles sei erlaubt. Motive werden geklaut, abgekupfert und kommerziell genutzt. Einen Gerichtsentscheid gibt es in dieser Angelegenheit leider noch nicht aber wenigstens konnte eine sehr bekannte Scherenschneiderin jetzt erstmals einen für uns alle wichtigen Erfolg vermelden.  Drei Verhandlungsrunden waren für eine aussergerichtliche Einigung notwendig. (St.Galler Tagblatt  7.12.2017,  B. Lanzendorfer)

Die Angst kopiert oder beklaut zu werden droht vielen Scherenschneidern die Freude an ihrer Arbeit zu schmälern und das darf einfach nicht passieren. Sollen wir nur noch für uns im stillen Kämmerchen schneiden und uns nicht mehr trauen, etwas zu publizieren, weil es sofort geklaut und missbraucht wird. Ich hoffe es nicht!

Umso erstaunter habe ich vor wenigen Stunden eine Anfrage per Mail bekommen. Irgendwo in diesem Lande hat ein Ehemann gerade mit dem Scherenschnitt begonnen. Er möchte aber keinen Kurs machen, sondern nur für sich selbst. Ich zitiere wörtlich: so zur Entspannung vom Alltagsstress.

Der gute Mann findet aber anscheinend keine VORLAGEN und wenn schon, müssten dies Vektor Dateien sein. Vektor Dateien könnten von der Frau digital eingefärbt und dann auf schwarzes Scherenschnitt-Papier gedruckt werden. Sie würde mir entsprechende Vorlagen gerne abkaufen und ihm diese dann zu Weihnachten schenken.

Nichts ist unmöglich …!  Ich habe 34 Jahre Erfahrung und habe gefühlte 8 Jahre mit der Schere in der Hand verbracht und er will meine Vorlagen einfach so zur Entspannung vom Alltagsstress ausschneiden???  Wie wäre es, wenn ich einen Profi-Pianisten bitten würde, mir doch bitte seine Version von Beethovens Mondscheinsonate per Mail zu schicken und ich würde diese auf mein Keyboard stellen und dann einfach nachspielen.  Nicht dass ich etwa meine Scherenschnitte mit der Mondscheinsonate auf eine Ebene stellen möchte, mitnichten.  Aber so ganz spontan hat mir diese Idee sogar sehr gut gefallen.

Vergiss es liebe Ehefrau, schenk deinem Ehemann ein Block Scherenschnittpapier, einen gut gespitzten Bleistift, einen Radiergummi, eine Scherenschnitt-Schere und dann lass ihn das ausschneiden, was er auch selber zeichnen kann. Wer nicht selber zeichnen kann, soll besser gar nicht erst auf die Idee kommen, sich an einen Scherenschnitt zu wagen und schon gar nicht an eine Vorlage. Oder vielleicht doch einen Anfängerkurs besuchen?

Soviel zum Thema Entspannung vom Alltagsstress als Scherenschneider.

eure entspannte Piccolina

Du kannst ja jetzt machen was du willst …

so lautet der Titel des Blogbeitrages welchen ich euch als Ergänzung zu meinem soeben veröffentlichten Beitrag wärmstens empfehlen möchte. Danke Frau Flohnmobil für diese Geschichte und weiterhin alles Gute und viel Kraft und friedliche Adventszeit.

Ich gehe manchmal erst um Mitternacht ins Bett. Du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich habe keine fixen Essenszeiten mehr. Du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich fahre übermorgen schon wieder ins Tessin zum Wandern. Du hast Recht, du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich habe gestern fünf Paar […]

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Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen …

Die richtigen Worte … warum ist es so unglaublich schwer, die richtigen Worte zu finden? Falls man das wirklich nicht schafft, wäre NICHTS sagen doch auch eine Lösung. Obwohl, NICHTS sagen kann für den Nicht-Gesprächspartner noch schlimmer sein.  Wenn die richtigen Worte fehlen, fühlt man dann möglicherweise auch NICHTS! Oder es gäbe doch noch die Möglichkeit einer stillen aber ehrlichen und gutgemeinten Umarmung mit den Worten: es tut mir leid, mir fehlen die Worte oder ich weiss nicht was ich sagen soll?

Ist das so schwer?

Zwei Tage nach der Trauerfeier für meinen Mann hatte ich folgende unvergessliche Begegnung:

Auf dem Weg zum Friedhof traf ich auf eine Dorfbewohnerin. Sie war zwar ebenso wenig wie ich „echte Einheimische“, das kann man aus eigener Kraft wohl nicht werden. Man ist nur „echt“ durch die Geburt und auch das müsste wohl auch schon seit mehreren Generationen so sein. Meine 37 Jahre Wohnsitz konnten an meinem Fremdkörpergefühl nichts ändern.

An dem kleinen Weg zur Kirche trafen wir aufeinander, sie MIT und ich OHNE Giesskanne. Wir begrüssten uns mit einem Wort und nahmen den Weg zur Kirche unter die Füsse. Gehst du auch Blumen giessen, fragte sie mich. Wie erwähnt hatte ich keine Giesskanne bei mir, wonach hat es also ausgesehen? Sie hatte, wie man es vielleicht hätte erwarten können, kein Wort des Trostes oder des Mitgefüehls zum Tod meines Mannes ausgesprochen. Das dies schwierig oder sogar unmöglich war, hatte ich in den Tagen nach seinem Tode bereits mehrmals erfahren, sogar auf der lokalen Behörde wo ich ein Namenschild für das Gemeinschaftsgrab bestellen musste.

Doch zurück zu der Frau mit der Giesskanne. Ihre Frage nach dem Grund meines Besuches, beantwortete ich mit aufsteigenden Tränen in meinen Augen. Nein, ich gehe nicht giessen, vorgestern war die Abdankung für meinen verstorbenen Mann und ich wollte einfach kurz zum Gemeinschaftsgrab wo die Asche meines Mannes lag.  Wie aus der Pistole geschossen kam auch schon ihre Antwort. Ich höre diese Worte noch so sehr in meinem Innern, es war als ob mir jemand ein Messer in mein tief trauriges Herz gestossen hätte.

Ich übersetze ihre Aussage wortwörtlich aus dem Nicht-Einheimischen-Dialekt:

Ach ja genau, habe ich gelesen.  Jetzt hast du so lange KEINEN gehabt, im ALTER doch noch EINEN gefunden und nun ist DER schon gestorben, das ist schon KRASS.

Ich war sprachlos, das gibt’s relativ selten bis nie aber in diesem Moment fehlten mir jegliche Worte.

Was um Himmel’s Willen sollte das? Wie konnte man bloss so unsensibel oder so taktlos sein?  Und ich schwöre euch, ich habe meine Hörgeräte getragen und ich habe jede einzelne Silbe korrekt verstanden. Diese Worte sind unvergesslich geblieben und ich hätte mir damals gewünscht, dass der Boden neben dem Grab aufgehen würde und ich darin versinken könnte. Leider war es nicht so. Ich habe mich neben dem Grab niedergekniet und verfiel für ein paar Minuten in Schockstarre.  So ganz aufgewacht bin ich aus diesem Schock bis heute nicht und immer und immer wieder kommt mir diese Aussage in den Sinn.

Vor zwei Tagen war ich auf demselben Friedhof an einer Abdankung einer „echten Eingeborenen“. Ich habe für meinen Mann und meine Eltern eine Kerze angezündet und der Laternenkerze mittels neuen Batterien Leben eingehaucht und dabei hörte ich immer und immer wieder diese Stimme und diese Worte.  Warum ich damals nicht sofort reagiert habe weiss ich nicht. Jetzt aber, werde ich diese Geschichte ausdrucken und per Post an die richtige Adresse schicken – so quasi eine Adventsgeschichte der besonderen Art.

Reden ist SILBER – Schweigen ist GOLD!

Ich wünsche euch allen eine friedliche und besinnliche Adventszeit

eure Piccolina