Weihnachtsduft …

Niemand erwartet von mir eine Weihnachtsgeschichte. Wer mich kennt weiss, dass ich mit Weihnachten nicht sehr viel anfangen kann.

Ich erinnere mich gerne an Weihnachten als Kind. Wir hatten ein richtiges, kleines, meist schiefes Weihnachtsbäumchen mit roten, echten Wachskerzen und all den damit verbundenen Duftnoten. Wir haben Weihnachtslieder gesungen oder auf der Blockflöte und Gitarre gespielt. Als Geschenke bekamen wir Pyjamas, Pullis, Würfelspiele, Silberbesteck, Stoff-Nastücher, schön verzierte Lebkuchen mit einem aufgeklebten Fünfliber und viele Bücher. Die rote Zora, die Förster Christl und wie sie alle hiessen.  Weihnachtsgüetzli haben wir fast nie gemacht. Die feinen Brätzeli gab es aber bei uns an Weihnachten immer.  Dieser herrliche Brätzeliduft  in der ganzen Wohnung … das war für uns Weihnachten. Zum Essen gabs ein Rollschinkli mit feinem „Härdöpfelsalat“ und dazu frische Ananas. Warum erzähle ich euch das?

Gestern fuhr ich mit einer Lieferung ins nahe gelegene Charmey. Nach getaner Arbeit wollte ich in einem Restaurant etwas essen. Es herrschte viel Betrieb und war hektisch. Ich sah dem Gastgeber seine Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Den letzten noch freien 4-er Tisch an eine Einzelperson verlieren machte weder ihm noch mir wirklich Freude. Er könnte mir aber doch noch etwas anbieten. Einen winzig kleinen Tisch, mit viel Krimskrams überstellt, könnte er mir leerräumen. So quasi mitten im Geschehen und mitten im Durchgang!  Nein Danke, dann doch lieber gar nicht. Das sind leider die Unannehmlichkeiten wenn man freiwillig oder wie ich leider unfreiwillig im Alleingang unterwegs ist.

Ich war schnell wieder draussen und setzte meinen Spaziergang fort und fand mich plötzlich bei der Talstation von Le Vounetz wieder. Le Vounetz ist der Hausberg von Charmey.  Ganz spontan löste ich mir ein „Aller-Retour“ Ticket für nur 14 Franken.

Spätestens ab der Mittelstation bereute ich schon, ohne meine Skiausrüstung unterwegs zu sein. Warum hatte ich bloss am morgen nicht daran gedacht einen ersten Skitag in der Region zu wagen? Oben angekommen habe ich als erstes die schöne Aussicht auf „meinen“ Hausberg den Moléson und auf den Greyerzersee und die noch verschneite Landschaft genossen.

 

Es wurde mir schlagartig bewusst, dass dies mein erster Allein-Skiberg ist. Viele schöne Erinnerungen an unvergesslich schöne Skitage zusammen mit meinem Vater und mit meinem Mann kamen mir in den Sinn und ich schickte liebe Grüsse zu meinen Lieben in den stahlblauen Himmel.

Im Selbstbedienungs-Restaurant gönnte ich mir zum Mittagessen eine Spezialität des Greyerzerlandes. Soupe de chalet ( Rezept hier )

In Lauenen gibt es die bekannten „Strüwi-Trischte“  die Stroh-Tristen und hier gibt es eine wunderschöne „Holz-Triste“ zu sehen.

 

Ich war mir sicher, ich würde wiederkommen und zwar mit Skis oder mit Schneeschuhen.

Zurück im Dorf habe ich meinen Spaziergang fortgesetzt. Das Strässchen führte aus dem Dorfkern raus und plötzlich stieg mir dieser herrliche, wohlbekannte Duft in die Nase. Eine mir entgegen kommende Frau muss mein Rumschnuppern bemerkt haben und sie zeigte mit ihrer Hand auf ein Haus im typischen Stil erbaut und sagte dazu nur …. Bricelets (Brätzeli).  Ich bin die wenigen verschneiten Stufen raufgestiegen und befand mich mitten drin – im Brätzeli-Himmel von Charmey. Ein alter Keller, sehr bescheiden eingerichtet mit zwei langen Tischen. Auf der einen Seite geschätzte 20 Schüsseln mit Teig und auf der anderen Tischhälfte 7 Brätzeli-Eisen im Volleinsatz! Man stelle sich vor, 7 Eisen gleichzeitig im Betrieb. Es war kalt in dem Raum und der Dampf ist aus allen Eisen gleichzeitig aufgestiegen und trotz unserem Geplauder hat sie alle Brätzeli schön der Reihe nach und alle gleichmässig braun rausgenommen und zackzack gerollt.

 

Ich merke in letzter Zeit, dass ich für vieles länger brauche als bisher. Ob das eine Frage des Alters oder meine neu gewonnen Gelassenheit ist, kann ich nicht genau sagen.  Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich immer noch recht schnell bin und ich würde mir zutrauen mit 2 Eisen gleichzeitig Brätzeli zu backen. Aber SIEBEN auf’s Mal, unmöglich.

Nebst den gerollten süssen Brätzeli macht die gute Frau auch noch unzählige gesalzene Varianten.  Sesam, Mohn, Kümmel,  Käse, Chili … insgesamt 12 Vaianten. Die Gesalzenen sind nicht gerollt und wahrscheinlich rund oder in Viertel geteilt.  Leider konnte ich nicht so lange dort bleiben um auch noch die Produktion der gesalzenen Varianten zu bestaunen. Ich bekam ein süsses Brätzeli als Geschenk, es schmeckte wunderbar. Beiläufig erfuhr ich von der Frau noch, dass sie diese Produktion nicht nur vor Weihnachten sondern das ganze Jahr durchzieht.  Ich habe nicht gefragt wie oft aber ich bin sicher es gibt dort mindestens  einen Brätzeli-Tag pro Woche. Und ich bin mir fast sicher, die Frau braucht nie ein neues Parfum.

Für mich war das eine ganz besondere Begegnung und der Duft nach Brätzeli hat mich an Weihnachten von früher erinnert.  Ich weiss, früher war nicht alles besser – aber Weihnachten ganz bestimmt.

Ich wünsche euch und euren Liebsten fröhliche Weihnachten mit vielen feinen Düften.

eure Piccolina

 

4 Gedanken zu “Weihnachtsduft …

  1. Und ich wünsche Dir, dass Du vor meinem Lieblingsduft verschont bleibst … Zimt! Ich weiss doch, dass Du das nicht magst 🙂 Und zudem beneide ich Dich um die Weihnachtsfilme, die ich wieder alle verpassen werde 🙂 Love you Sis! 🙂

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  2. Silvia Benz

    Brätzeli haben wir auch immer gemacht. Meine Mutter gab uns noch bis ins hohe Alter welche mit!
    Solche Rituale sind offenbar wichtig! Schöne Geschichte! Und alles so nah!

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