Kultur oder „Cool“-Tour im Fussball-Fieber …

Ich gebe es gerne zu, ich habe NULL Ahnung von Fussball.  Wirklich NULL Ahnung oder vielleicht sogar schon eher -NULL. Das Einzige was ich weiss, es braucht einen Ball und ein paar (sind es elf?) Männer, die EINEM Ball hinterher rennen und es gibt ein resp. zwei Tore, wo der besagte Ball rein muss. Dass es sich dabei um das Tor des Gegners handeln sollte, dass weiss ich auch noch, sonst wäre es ja ein Eigentor. Sonst aber, habe ich wirklich keine Ahnung von Fussball, weder von den Regeln, noch wie die einzelnen Linien oder Positionen der Spieler heissen.

Um einer Nichte meines verstorbenen Mannes eine Freude zu machen, fuhr ich gestern mit dem Bus in die Stadt, um mir ein Konzert des traditionellen gemischten Chores anzuhören. Es ist nicht wirklich meine bevorzugte Musikrichtung aber es war ganz schön. Nach dem gemischten Chor sangen 4 Männer im vorgerückten Seniorenalter. Ihr Repertoire war sehr umfangreich und sie haben ihren Auftritt lange genossen. Die Zuhörer auch!

 

Halb verfroren ging’s dann weiter zum traditionellen „vers d’amitié“. Dieses „Glas unter Freunden“ war sehr reichhaltig und ähnelte eher einem Brunch-Buffet.

Ich mag’s ja bekanntlich auch nicht, wenn es heiss ist, aber gestern war es wirklich kalt und so langsam war ich am coolsten Punkt des Abends angelangt und wollte nur noch schleunigst zum Bus und nach Hause.  Aber „ohalätz“ da habe ich nicht mit all den Fussball-Fans gerechnet.

Genau in diesen Minuten begann das grosse Hupkonzert und das Verkehrsaufkommen in der Stadt nahm innerhalb Minuten einfach gigantische Ausmasse an. Ironie des Schicksals, ausgerechnet ich als NICHT-Fussball-Fan gerate zum zweiten Mal direkt in die ausflippenden Fans mitten in der Stadt!  Wann ist der nächste Match mit der Schweiz. Ich will unbedingt wieder in die Stadt, vielleicht bin ich ja sowas wie ein Glücksbringer für die Schweizer Fussballer.

Es ging rein gar nichts mehr in der ganzen Stadt. Der Lärm … ein Wahnsinn aber trotzdem war es schön, all die zufriedenen, glücklichen Menschen zu sehen die ALLE nur aus einem und demselben Grund feiern und jubeln. Das ist definitiv die gute Seite des Sports. Ich habe mich einfach gefragt, wie viele enttäuschte Serben wohl in dem Umzug mitfahren und mit hupen?  In diesem Moment wurden sie wohl alle einfach zu Schweizer Fans und das ist doch schön und besser als irgendeine Schlägerei.

Dass der Bus wohl kaum mehr fahren würde, ist mir sehr schnell klar geworden und so wanderte ich also die 4,5 km nach Hause, dem kalten Wind entgegen marschierend. Erst auf halbem Weg nach Hause habe ich realisiert, dass ich immer noch meine Sonnenbrille auf der Nase trage.

Weiter so, liebe Schweizer Fussballer … go go go und ich verspreche euch, wenn ihr noch mal einen Punkt holt, werde ich mir den ganzen folgenden Match in der Stadt in einem Public Viewing anschauen. Als Glücksbringer oder einfach nur aus Freude an der grandiosen Stimmung.

eure Piccolina im WM-Fieber

 

 

Phase BLAU …

Ich befinde mich gerade in Phase BLAU. Das heisst nicht, dass ich jeden Abend sturzbetrunken das Schlüsselloch oder mein Bett suchen muss. Auch nicht, dass ich ständig BLAU machen würde, obwohl die Tendenz ganz offensichtlich in diese Richtung geht.

Ganz unbewusst habe ich diesen Frühling blaue Kleider gekauft. Das ist mir erst im Nachhinein irgendwann mal aufgefallen. Dann kam die Idee mit dem Auto und ich kann bestätigen, ich habe mich für den BLAUEN entschieden. Wunderschönes BLAU und schwarzes Dach. Richtig elegant sieht er aus, mein neuer Flitzer.

Ich war schrecklich aufgeregt und hatte fast schlaflose Nächte. Ich konnte mir das Fahren mit dem Automatikgetriebe einfach nicht vorstellen. Die Testfahrt war sehr kurz und die Tatsache, dass der Garagist neben mir Platz genommen hat, fand ich mehr als nur mutig.

Beim Mittagessen mit Freunden wurde ich so richtig auf die Schippe genommen. Sie wollten die Polizei avisieren, dass am Nachmittag ein Geisterfahrer in BLAU, resp. ein BLAUES Auto ohne sichtbaren Fahrer auf der Route de Vevey rumstottern würde. Ein befreundeter Polizist in Rente hat sogar angeboten mich zu begleiten. Als mutiger Beifahrer oder im Konvoi – notfalls mit BLAU-Licht.

Haha … ich bin selber schuld, ich habe meine Angst öffentlich gemacht aber ich habe keine Probleme mit all diesen Sprüchen. Automatik fahren kann jeder Doofe, so lauteten auch gut gemeinte Ratschläge. Meine Angst, plötzlich mit dem linken Fuss eine Vollbremsung zu machen war gross. Meine Idee mit nacktem Fuss zu fahren, fand auch nicht wirklich Zustimmung. Der fehlende Schuh sollte mich doch nur rechtzeitig daran erinnern, dass mein linker Fuss ab sofort nur noch stiller Beifahrer ist.

Am Freitag war es dann soweit und ich habe mit einem weinenden und einem lachenden Auge meinen liebgewonnen Suzuki bei der Garage abgegeben. Wir waren doch ein gutes Team und er hat mich nie auch nur eine Sekunde im Stich gelassen. Eimerweise Tränen habe ich in den Suzuki vergossen. Er hat er mir das nie übel genommen und er wird meinen Kummer für sich behalten.

Die Instruktion in der Garage war kurz und klar und schon war es soweit. Ich fasste meinen ganzen Mut und los ging’s. Alles war NEU und fast alles war ANDERS aber schon nach ein paar Kilometern hatte ich ein relativ gutes Gefühl. Nur dieses vermehrte „Bibip“ war etwas ungewohnt und für mich teilweise kaum hörbar. Vielleicht lässt sich ja das Warn-Bibip direkt via Bluetooth auf meine Hörgeräte schalten? Das wäre doch eine wirkliche Hilfe. Nicht das „Kind“ im Ohr, sondern das Auto im Ohr.

Am Sonntag habe ich dann mal die ruhige Stadt und sämtliche Kreisel befahren und wenn ich jetzt in ein Parkhaus fahre, suche ich immer mindestens 5x einen anderen Parkplatz um ein bisschen zu üben. Vorwärts, Rückwärts oder eben jetzt D und R und P! Na ja, die Positionen zu finden ist noch nicht so ganz Routine aber es wird schon werden.
Auch an die Tatsache, dass mein Auto jetzt einfach losfährt sobald ich das Bremspedal loslasse, werde ich mich sicher schnell gewöhnen können.

Auf jeden Fall macht es wirklich Spass und die Fahrweise ist definitiv viel entspannter, als ständig mit einem Fuss auf der Kupplung stehen zu müssen. Alle anderen Tricks und Tipps werde ich mit der Zeit sicher noch kennenlernen.

BLAU geht irgendwie plötzlich wie ein „roter“ resp. blauer Faden durch mein Leben. Seit Jahren benutze ich die gleiche Computermaus und erst heute fällt mir auf. BLAU mit schwarzem „Dach“. Mein „Hüsli“ am blauen See ist blau, mein SUP-Paddel ist blau-weiss und heute hat mir der Briefträger zusammen mit einer Rechnung eine kleine Taschenlampe als Geschenk überreicht. Ihr braucht gar nicht zu raten, sie ist BLAU.

Grad war ich noch beim Friseur und habe mir einen Sommer-Schnitt gegönnt. Nein, meine Haare sind nicht BLAU da bleibe ich bei meinem natürlichen Grau-Mix. 😄

Liebe Freunde, für heute ist genug … ich mach jetzt BLAU, das drängt sich einfach grad auf!

herzlichst
eure Piccolina-BLUE