Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen …

Die richtigen Worte … warum ist es so unglaublich schwer, die richtigen Worte zu finden? Falls man das wirklich nicht schafft, wäre NICHTS sagen doch auch eine Lösung. Obwohl, NICHTS sagen kann für den Nicht-Gesprächspartner noch schlimmer sein.  Wenn die richtigen Worte fehlen, fühlt man dann möglicherweise auch NICHTS! Oder es gäbe doch noch die Möglichkeit einer stillen aber ehrlichen und gutgemeinten Umarmung mit den Worten: es tut mir leid, mir fehlen die Worte oder ich weiss nicht was ich sagen soll?

Ist das so schwer?

Zwei Tage nach der Trauerfeier für meinen Mann hatte ich folgende unvergessliche Begegnung:

Auf dem Weg zum Friedhof traf ich auf eine Dorfbewohnerin. Sie war zwar ebenso wenig wie ich „echte Einheimische“, das kann man aus eigener Kraft wohl nicht werden. Man ist nur „echt“ durch die Geburt und auch das müsste wohl auch schon seit mehreren Generationen so sein. Meine 37 Jahre Wohnsitz konnten an meinem Fremdkörpergefühl nichts ändern.

An dem kleinen Weg zur Kirche trafen wir aufeinander, sie MIT und ich OHNE Giesskanne. Wir begrüssten uns mit einem Wort und nahmen den Weg zur Kirche unter die Füsse. Gehst du auch Blumen giessen, fragte sie mich. Wie erwähnt hatte ich keine Giesskanne bei mir, wonach hat es also ausgesehen? Sie hatte, wie man es vielleicht hätte erwarten können, kein Wort des Trostes oder des Mitgefüehls zum Tod meines Mannes ausgesprochen. Das dies schwierig oder sogar unmöglich war, hatte ich in den Tagen nach seinem Tode bereits mehrmals erfahren, sogar auf der lokalen Behörde wo ich ein Namenschild für das Gemeinschaftsgrab bestellen musste.

Doch zurück zu der Frau mit der Giesskanne. Ihre Frage nach dem Grund meines Besuches, beantwortete ich mit aufsteigenden Tränen in meinen Augen. Nein, ich gehe nicht giessen, vorgestern war die Abdankung für meinen verstorbenen Mann und ich wollte einfach kurz zum Gemeinschaftsgrab wo die Asche meines Mannes lag.  Wie aus der Pistole geschossen kam auch schon ihre Antwort. Ich höre diese Worte noch so sehr in meinem Innern, es war als ob mir jemand ein Messer in mein tief trauriges Herz gestossen hätte.

Ich übersetze ihre Aussage wortwörtlich aus dem Nicht-Einheimischen-Dialekt:

Ach ja genau, habe ich gelesen.  Jetzt hast du so lange KEINEN gehabt, im ALTER doch noch EINEN gefunden und nun ist DER schon gestorben, das ist schon KRASS.

Ich war sprachlos, das gibt’s relativ selten bis nie aber in diesem Moment fehlten mir jegliche Worte.

Was um Himmel’s Willen sollte das? Wie konnte man bloss so unsensibel oder so taktlos sein?  Und ich schwöre euch, ich habe meine Hörgeräte getragen und ich habe jede einzelne Silbe korrekt verstanden. Diese Worte sind unvergesslich geblieben und ich hätte mir damals gewünscht, dass der Boden neben dem Grab aufgehen würde und ich darin versinken könnte. Leider war es nicht so. Ich habe mich neben dem Grab niedergekniet und verfiel für ein paar Minuten in Schockstarre.  So ganz aufgewacht bin ich aus diesem Schock bis heute nicht und immer und immer wieder kommt mir diese Aussage in den Sinn.

Vor zwei Tagen war ich auf demselben Friedhof an einer Abdankung einer „echten Eingeborenen“. Ich habe für meinen Mann und meine Eltern eine Kerze angezündet und der Laternenkerze mittels neuen Batterien Leben eingehaucht und dabei hörte ich immer und immer wieder diese Stimme und diese Worte.  Warum ich damals nicht sofort reagiert habe weiss ich nicht. Jetzt aber, werde ich diese Geschichte ausdrucken und per Post an die richtige Adresse schicken – so quasi eine Adventsgeschichte der besonderen Art.

Reden ist SILBER – Schweigen ist GOLD!

Ich wünsche euch allen eine friedliche und besinnliche Adventszeit

eure Piccolina

Sonntags-Modus …

Immer wieder sonntags … sitze ich beim Frühstück und ich komme einfach nicht in die Gänge.  Früher war der Sonntag für mich immer ein besonders kreativer und produktiver Tag. Sicher, es gab auch viele ungeliebte Arbeiten, die ich aber trotz allem immer am Sonntag erledigt habe. Zum Beispiel meine Buchhaltung – glücklicherweise habe ich die seit einigen Jahren ausgelagert🙂

Zahlungen erledigen, Schreibkram allgemein und Büroarbeiten im Besonderen. Der Sonntag war immer ruhig, wenig bis gar keine Telefonate, keine fremden Menschen die plötzlich an meiner Türe klingeln für einen „Atelier-Besuch“.  Während meiner Zeit als Angestellte im Gastgewerbe und Hotellerie waren die Sonntage normale, oder sogar besonders anstrengende Arbeitstage. Als selbständige Scherenschneiderin konnte und kann ich mir meine Arbeitszeit selber einteilen und trotzdem ist der Sonntag immer etwas Besonderes. Mein verstorbener Mann hatte immer im Gastgewerbe gearbeitet und auch er empfand das Arbeiten am Sonntag ebenso normal wie ich. Gleiches galt übrigens auch für Weihnachten, Silvester, Geburtstag und andere Feiertage.  Wir waren immer sehr zufrieden mit dieser Wochenaufteilung, weil unser Wochenende halt irgendwann während der Woche stattgefunden hat.

Das hatte für uns nur Vorteile. Es gab weniger Sonntagsfahrer auf der Strasse, weniger Motorradfahrer auf den schönen kurvigen Schweizer Pässen, wesentlich weniger Leute auf den Skipisten und die Geschäfte waren alle offen. An die unangebrachten Fragen und Bemerkungen hatten wir uns schon lange gewöhnt und hatten es aufgegeben, uns rechtfertigen zu müssen, weil wir z.B. Montag/Dienstag unsere freien Tage genossen haben.

Die Aussicht auf die bevorstehende Pensionierung meines Mannes hatte uns viele Pläne schmieden lassen, welche leider durch seinen Tod nicht in Erfüllung gegangen sind. Alleine habe ich weder Lust noch Motivation den Sonntag als speziellen Tag der Woche zu feiern, im Gegenteil. Ich wünsche mir diese „alten normalen Sonntage“ aus der unbeschwerten Zeit meines Lebens zurück.

Ich vermeide ganz bewusst alles was nach Sonntags-Programm und Familientag aussehen könnte. Ich denke aber auch an all die vielen Menschen, die sonntags immer arbeiten müssen und habe das Bedürfnis einfach mal ein ganz grosses DANKESCHÖN zu sagen.  Die mitfühlenden Angestellten in allen Spitälern, Pflege- und Altersheimen, die fleissigen und unermüdlich dienenden Menschen in Restaurants und Hotels, alle Verantwortlichen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und das aufmerksame Sicherheitspersonal. Einfach ALLEN die am Sonntag arbeiten müssen – D A N K E!

Immer wieder und so auch heute, hänge ich dann zuerst eine Weile meinen Gedanken und Erinnerungen nach und brauche etwas Zeit um mich zu motivieren.

Noch eine Tasse Kaffee und dann … Piano üben, Zahlungen machen, Blumen giessen (das mache ich übrigens ganz unbewusst IMMER am Sonntag), meine Teilnahme am Weihnachtsmarkt weiter vorbereiten und „schnäfle“ und falls dann wider Erwarten doch noch etwas vom Sonntag übrigbleibt, werde ich mir ein schönes Feuerchen im Schwedenofen machen und das ganz bewusst in Ruhe und Dankbarkeit geniessen und mich auf den Montag freuen.

Einen schönen und gemütlichen Sonntag euch allen

eure Piccolina

 

Freitag 13. Oktober 2017

Keine Angst, keine Geschichte über Aberglaube oder Unglaubliches. Obwohl… so ganz normal scheint mir dieser Freitag der 13. Oktober 2017 doch nicht zu sein. Es ist etwa noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang und ich sitze in leichtester Sommermontur auf meiner Terrasse. Mit zusammengekniffenen Augen, weil ich mit der Sonnenbrille auf dem Bildschirm noch weniger erkennen kann. Das Thermometer steht im Schatten und zeigt gerade 24,7 Grad an. Und das soll normal sein? Ich kann mich nicht erinnern je einen solche schönen Sommer und Herbst bewusst erlebt zu haben.

Sicher….. schönes Wetter, stahlblauer Himmel und herbstliche Bäume in allen Farben das gibt es ja glücklicherweise jedes Jahr. Letztes Jahr war mein erster Herbst hier im Greyerzerland aber da habe ich vieles noch anders empfinden. Nun aber, der Herbst 2017 ist sowas von schön! Es rührt mich auch öfters mal zu Tränen. Tränen weil ich dann meinen Mann vermisse und traurig bin, weil wir das nicht mehr zusammen erleben und geniessen dürfen. Ein paar Minuten später wechselt diese Trauer dann aber zu einer unbeschreiblichen Dankbarkeit, dass ich das erleben darf und ich geniesse jeden einzelnen Tag. Da die Zeit mit meinem Geburtstag zusammenfällt, habe ich noch mehr Besuch als sonst und so bin ich fast jeden Tag irgendwo unterwegs und ich kann nicht genug davon bekommen von diesem grün-gelb-rot Tönen des Waldes und im Gegensatz dazu das Blau des Himmels und des Wassers. Da es hier viel mehr Laubwald hat als auf 1’250 m ü. M ist alles viel intensiver.

Die vielen Begegnungen mit meinen Freunden von früher und all meinen neuen Freunden aus meinem neuen Leben hier sind so unglaublich wertvoll und ich schätze mich sehr glücklich und bin dankbar für jede einzelne Begegnung.

Und jeder, wirklich jeder Besucher hat ganz plötzlich vollstes Verständnis für unsere, resp. meine Entscheidung hierher zu ziehen. Auch all diejenigen, die es bisher nicht verstehen konnten und sehr skeptisch waren. Das ist ein ganz wundervolles Gefühl und macht alles noch besser. So empfinde ich diesen Freitag 13. Oktober mit sommerlichen Temperaturen als grosses Glück und freue mich, dass noch ein paar solche Tage angesagt sind und ich werde jeden einzelnen geniessen….. ganz bewusst geniessen.

Nach der Diagnose meines Mannes ist unsere Welt und all unsere Träume innert Minuten zu einem Albtraum geworden. Ich empfand weder Freude noch Trauer, keine Lust und Motivation einfach nur noch blanke ANGST. Oft habe ich gedacht und auch gesagt ich würde das allein niemals schaffen und er hat mir immer gesagt ich würde die Kraft bekommen um weiterzumachen. Geglaubt habe ich ihm damals nicht. Nur gehofft, dass er recht haben möge und es ist wirklich so …… das einzige was ich seit seinem Tode nicht mehr habe ist ANGST. Das Schlimmste was ich befürchtet habe ist eingetroffen, ich habe den liebsten und wichtigsten Menschen verloren. Es gibt keinen Grund mehr Angst zu haben und jetzt sind alle anderen Gefühle wie mir scheint umso stärker zurückgekommen und dazu gehört auch die Freude an so einem wunderschönen Freitag den 13-ten!

Ein paar Sekunden nach der niederschmetternden Diagnose hat Gino zu mir und zum Arzt gesagt: es gibt kein glückliches Leben, es gibt nur glückliche Momente im Leben. Er hat versucht uns das zu erklären und ich habe ebenso versucht es zu verstehen. Damals ist es mir nicht wirklich gelungen. Heute weiss ich, was er damit gemeint hat und daher ist der heutige Freitag der 13. für mich auf jeden Fall ein Glückstag.

viel Glück für euch alle

eure Piccolina

Mein Kindertraum…..

Solange ich zurückdenken kann, wollte ich immer Klavier spielen lernen. Zuerst hiess es kein Geld für ein Klavier und Unterricht. Okay, das habe ich verstanden und bekam als Trost die obligate Blockflöte mit entsprechendem Unterricht. Später fehlte der Platz und noch ein paar Jahre später fehlte es immer wieder an der Zeit.

Für ein paar Weihnachtslieder reichte mein Können auf der Blockflöte bald und das Interesse liess entsprechend schnell wieder nach. Zusammen mit meinem Bruder und mit meiner Schulfreundin folgten ein paar Jahre Gitarre. Natürlich ohne Noten nur mit Begleitakkorden und mit immer kurz geschnittenen Fingernägeln. Vor allem Berner Chansons haben wir gespielt und gesungen. Singen war schon in der Schule nicht mein Lieblingsfach und bald hing die Gitarre nur noch als Dekorationsobjekt neben einem schönen Cowboyhut. Den Traum vom Klavier hatte ich aber nie wirklich aufgegeben.

Nach meine letzten Umzug vor gut einem Jahr waren nun alle Bedingungen erfüllt und irgendwann Ende Juni dachte ich – JETZT oder NIE! Zwei drei Klicks und schon fand ich ein paar Angebote für Online-Piano-Unterricht. Das gibt’s wirklich! Stellt euch das vor! Ich kann, wie fast immer barfuss, zuhause Klavier spielen lernen. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah. Irgendwo hatte ich gerade gelesen, dass man in meinem Alter unbedingt eine neue Sprache oder ein Instrument lernen sollte. Das soll die Hirnzellen aktiv halten und dazu auch noch Spass machen und mein langgehegter Traum würde auch in Erfüllung gehen. Mehr auf einmal geht doch gar nicht. Spontan wie ich bin, um nicht zu sagen überstürzt, habe ich mit ein paar weiteren Klicks gleich ein zugegeben günstiges Keyboard bestellt.

Selten habe ich mich auf etwas so gefreut wie auf die Lieferung des Keyboards. Dann, am 1. Juli habe ich für vorerst 6 Monate den Piano-Starter-Kurs bei klavier-lernen.ch gebucht und schon konnte ich loslegen. Das Keyboard habe ich in meinem Büro direkt neben dem Arbeitstisch positioniert und das bedeutete einen Dreh auf dem Stuhl und schon konnte ich in die Tasten greifen. Das die Pianotasten auch schwarz-weiss sind steht ja irgendwie für mein Leben und für meine ganz grosse Leidenschaft, den Scherenschnitt. Da ich, wie es so schön heisst „freischaffende Künstlerin“ bin und meine Arbeitszeit selber einteilen kann, ist das Instrument im Büro also kein Problem. Ein morgendlicher Blick in den Spiegel und meine Chefin war einverstanden:-)

Die Probleme kamen dann aber doch und zwar leider von unerwarteter Seite und sehr schnell. Um meine lieben Nachbarn mit meinen nächtlichen Übungsstunden nicht zu nerven, spielte ich zu später Stunde die ersten zaghaften Versuche nach Anleitung meines Musiklehrers Sven mit Kopfhörer. Mit einer unglaublichen Geduld immer und immer wieder erklärt er mir und natürlich auch jedem anderen Piano-Starter Schüler die gleichen Übungen. Ja, es ist wirklich so. Ich nehme Unterricht im weltkleinsten Musikschulzimmer mit den weltweit längsten Unterrichtszeiten. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr ist Unterricht und unser Lehrer immer gut gelaunt und sehr motivierend. Via meinem Smartphone oder via Tablet bin ich also mitten drin im Musikzimmer oder mein Klavierlehrer bei mir. Eine echt coole Sache ist das, DANKE Sven!

Leider hat mir aber nach kürzester Zeit der Adapter des Kopfhörers einen sehr grossen Strich durch die Rechnung gemacht und ich musste meine Karriere als Pianistin vorübergehend pausieren und mein „günstiges“ Keyboard entsorgen. Eine Reparatur war nicht mehr möglich oder hätte höchstwahrscheinlich die Anschaffungskosten um ein Vielfaches überstiegen. Wer mich auch nur ein kleines bisschen kennt weiss, dass ich mich nicht so schnell von einer Idee und schon gar nicht von meinem neu erweckten Kindertraum abbringen lassen würde und daher wird diese Geschichte hoffentlich noch sehr lange weitergehen und ich werde immer wieder mal berichten.

Nun heisst es aber c – d – e – f – g – h – b – c Noten lernen und all die dazu gehörenden Begriffe, wie Oktaven, Akkorde, Harmonik, Rhythmik, Melodik….. alles ist NEU und es klingt alles sehr spannend und ich freue mich, dass es endlich losgeht. Ich verspreche, euch von jeglichen Tondokumenten in meinem Blog zu verschonen.

eure Piccolina

Ende gut…..

…..ich habe meine Liebsten wieder gefunden.

In der Vergangenheit hatte ich wirklich nicht immer nur Glück, um nicht zu sagen eine längere Pechsträhne. Angefangen hat es vor 11 Jahren als unser lieber Päps nur wenige Wochen nach der Diagnose und doch ganz überraschend gestorben ist. Seine Trauerfeier wäre genau auf meinen 50-igsten Geburtstag gefallen. Es war auch so schon schwierig genug und so entschieden wir im Familienrat die Trauerfeier auf den Tag nach meinem Geburtstag zu verschieben.

Im Juli 2014 ist unser Mami von seiner langen, mit sehr viel Geduld ertragenen Krankheit erlöst worden. Ich pflege zu sagen, mein Mami sei 2 mal gestorben, einmal durch die fortgeschrittenen Demenz welche zu Parkinson dazu kam und dann nochmals an einem schönen warmen Julitag 2014.

Dass Eltern sterben ist eigentlich der normale Lauf des Lebens aber nur zwei Jahre später musste ich auch von meinem geliebten Ehemann Abschied nehmen. Es war schrecklich und ich frage mich oft, wie ich das überhaupt bis heute alles geschafft habe. Wir, mein Mann und ich hatten noch so viele Pläne für das Leben, für unser Leben nach all den traurigen Erlebnissen. Ein Leben im Greyerzerland war schon lange unser Traum und ich habe ihm versprochen, dass wir spätestens zu seiner Pensionierung unser neues Leben beginnen würden.

All unsere Träume und Pläne sind durch seine Krankheit und seinen viel zu frühen Tod geplatzt und nur 10 Tage nach seinem Tod konnte/musste ich die Schlüssel für unser neues Zuhause im Greyerzerland in Empfang nehmen. Mein Bruder hat mich bei diesem schweren Gang begleitet. Es war sehr traurig und trotzdem habe ich sofort gespürt, dass meine Entscheidung an unseren Plänen festzuhalten die Richtige war und ich habe es bisher nicht eine einzige Sekunde bereut.

Nur wenige Tag nach der Trauerfeier für meinen Mann begann das grosse Räumen. Ich empfand es trotz den erschwerten Umständen für befreiend und konnte mich ohne Probleme von fast Allem trennen. Eine grosse Mulde wurde vorgefahren und ich begann im wahrsten Sinne des Wortes Ballast abzuwerfen und mich frei zu schaufeln. Wer auch schon mal nach 37 Jahren umgezogen ist, weiss wovon ich hier schreibe.

In der neuen Wohnung und in der neuen Umgebung habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt und die Kartons welche ich mitgenommen hatte, waren schnell ausgepackt und alles direkt am richtigen Ort verstaut. Abgesehen von meinen Liebsten habe ich nichts vermisst und doch war da noch etwas, was ich einfach nicht mehr gefunden habe.

Es waren zwei Fotos meiner Eltern und das Foto von meinem bereits erkrankten Mann welches wir in der Kirche bei der Trauerfeier aufgestellt hatten. Immer wieder habe ich überlegt wo die Bilder wohl sein könnten, wo sie gelandet sind.

Eine liebe Freundin kam heute zu Besuch und irgendwie sprachen wir über unsere Küchen. Meine Küche ist eigentlich ein Traum und abgesehen von der Höhe der Arbeitsfläche und der Schränke gibt es da gar nichts zu beanstanden. Das Problem mit der Höhe ist auch nicht wirklich das Problem der Küche sondern eher das Problem meiner Körpergrösse von nur ca. 1.50m. Ein Wort ergab das andere und ich hatte ganz plötzlich die Idee ich könnte doch meine Brienzer Kühe auf die Küchen-Obschränke stellen. Da es in meinem Wohnzimmer bereits ein wunderschönes Kuh-Bild von Björn Zryd aus Adelboden gibt, würden doch die Kühe bestens auch dorthin passen.

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Isch das ds Vroni? von Björn Zryd, Adelboden

Da war doch noch eine kleiner Karton im Schrank meines Gästezimmers in welchem ich die geschnitzten Brienzer-Kühe, Pferd, Geiss und Schafe mit den dazugehörenden Bauern schön sorgefältig in Seidenpapier verpackt hatte.

Spontan wie ich bin, hole ich den Karton aus dem Schrank und beginne auszupacken und WAS finde ich dort in dem Karton? Ich habe heute, fast 14 Monate nach meinem Einzug auch irgendwie meine Liebsten wiedergefunden und dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Ich habe doch gewusst, dass ich die Bilder extra vorsichtig verpackt hatte aber WO, das ist mir einfach nicht eingefallen und umso grösser war meine Freude heute und daher ist es irgendwie eine ENDE GUT geworden……..

herzlichst,

eure Piccolina