Meine neue Begleitung …

hat heute für viel Aufsehen gesorgt und die Komplimente liessen nicht lange auf sich warten.

Seit mehreren Jahren sieht man mich immer in Begleitung meiner LV-Tasche, auf welche ich auch stolz bin. Es war ein grosszügiges Geschenk meines Mannes, passend zum Portemonnaie, welches schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat und immer noch absolut neuwertig ist. Mein Mann war ein überzeugter LV-Fan und er hat mir die Begeisterung für die Marke weitergegeben.

Vieles in meinem Leben hat sich in letzter Zeit verändert, eigentlich fast alles. Kein Wunder also, dass ich mich entschied, auch mal wieder eine andere Handtasche bei mir zu haben. Ich habe mich für eine wunderschöne ROTE und sehr speziell gefertigte weiche Ledertasche entschieden.  Ich wollte die Tasche in der Stilnische, einem ganz tollen Geschäft in Solothurn, abholen und das mit einem Besuch bei meiner unbiologischen Schwester verbinden. Ich habe mich schon sehr darauf gefreut aber eine happige Erkältung oder Grippe hat mich für mehr als eine Woche ausser Gefecht gesetzt. Heute dann, die grosse Überraschung, als der Postbote mit einem Paket an der Türe stand. Drin war meine neue rote Handtasche und es war so quasi Liebe auf den ersten Blick.

Vergeblich habe ich nach der Rechnung oder dem Einzahlungsschein gesucht.  Die fantastische Tasche ist als Geschenk meiner lieben „Sis“ bei mir eingetroffen. Wie habe ich das bloss verdient? Es ist weder Geburtstag, noch Weihnachten, Ostern ist auch vorbei?

Einfach so, weil ICH – ICH und DU – DU bist und aus Freundschaft. Oder weil ich selber schon langsam eine alte Tasche bin und im Moment etwas Farbe gut gebrauchen kann? Ich bin wieder mal zu Tränen gerührt. Dazu braucht es im Moment bekanntlich nicht viel. Die Erklärung zur momentanen Gemütslage hat die Modepraline ja in ihrem gestrigen Blog bereits geliefert und es gibt da wirklich nichts zu ergänzen. Für diejenigen die es verpasst haben oder sich interessieren hier geht’s zum Blog der Modepraline.

Sofort habe ich den Inhalt meiner Tasche ausgekippt und entrümpelt und die neue Tasche bestückt. Wie schön, es gibt sogar eine Innentasche und zwei Abteile und noch ein kleines Versteck mit Reissverschluss und zwei ohne. Das wird bestimmt sehr spannend werden und ich gönne uns jetzt mal ein paar Tage, damit wir uns aneinander gewöhnen können.

Aufgefallen bin ich damit auf jeden Fall oder habe ich vielleicht je schon mal vier Komplimente an einem Tag bekommen – für meine Handtasche! Ist das vielleicht ein Grund warum viele Frauen massenhaft Handtaschen haben und diese auch immer wieder wechseln? Ich habe nun also ZWEI und mir reicht das vorläufig aus.

Dass die Tasche auch irgendwie etwas mit meinen Scherenschnitten zu tun hat, ist mir zuerst gar nicht so bewusst gewesen. Eine Bekannte, welche ich zufälligerweise im Schuhladen getroffen habe, holte sofort einen knallroten Ballerina hervor weil er so gut zu meiner Tasche passen würde.  Ich und Ballerina, das geht irgendwie gar nicht aber vielleicht finde ich diesen Sommer ja irgendwo rote Flipflops:-)

Danke für den aufmunternden Farbtupfer in meinem heutigen Tag und danke für die tolle Tasche, liebe Sis! Sommer du kannst kommen, ich bin bereit – aber BITTE nicht zu heiss, gell!

eure Piccolina in RED

SCHWARZ wie die Nacht …

Müsste ich auf die Frage nach meiner Lieblingsfarbe antworten, ganz spontan wäre meine Antwort wahrscheinlich SCHWARZ.  Aber halt … SCHWARZ ist bekanntlich gar keine Farbe.

In Wikipedia steht ganz am Anfang zum Suchbegriff „Schwarz“ folgendes

Schwarz ist die Bezeichnung für eine Farb- und Helligkeitsempfindung, die beim Fehlen eines visuellen Reizes entsteht, also wenn die Netzhaut keine Lichtwellen oder nur Lichtwellen geringer Intensität im sichtbaren Spektrum wahrnimmt. (Wikipedia)

Soweit so gut! Ich sass heute in einer unlängst renovierten Brasserie-Bar mit SCHWARZ-WEISS gekacheltem Boden und genoss meine zugegeben sehr speziellen und farbigen Ravioli an Ruccola-Pesto. Meine Papierserviette war schwarz. Die Serviette im Brotkörbli stammte aus gleicher Quelle.

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Mir gefiel es, ich mag SCHWARZ. Am Nachbartisch sassen neun Ladies die vergnügt plaudernd ihre schön hergerichteten Club-Sandwichs genossen. Sieben davon waren überwiegend in SCHWARZ gekleidet. Am Nebentisch eine junge, SCHWARZ angezogene Mutter mit ihrem ungefähr 2 Jahre alten Mädchen – in SCHWARZ. Sogar die Kleine trug schwarze Leggins und einen schwarzen Pulli welcher nur mit einer lustigen farbigen Figur verziert war. Die blauen Gummistiefelchen waren der wirkliche Hingucker an der Kleinen.

Bevor mein Blick weiter schweifte, sah ich kurz an mir selber herunter und ich entdeckte ohne Erstaunen ein Gemisch aus SCHWARZ-WEISS und blauen Jeans. Wohin ich auch schaute, ich sah plötzlich überall SCHWARZ. Das heisst jetzt aber nicht, dass ich auch Schwarzfahrer oder Schwarzseher bin. Ich liebe SCHWARZ und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es in meinem Kleiderschrank die vorherrschende Farbe ist. Ich kann es nicht erklären und es ist mir in diesem Ausmass bis heute auch nicht wirklich bewusst gewesen.

In der Vergangenheit hat mir eine Freundin mal gesagt, ich solle jetzt aufhören SCHWARZ zu tragen. Ich empfand es als Anspielung ich sollte meine Trauer nicht mehr „tragen“ und wehrte mich dagegen. Sie meinte aber nur – SCHWARZ sei keine Farbe für Frauen in meinem Alter. Wie charmant einige Mitmenschen doch auch sein können!

SCHWARZ und WEISS bestimmen irgendwie mein Leben.  Als Scherenschneiderin arbeite ich seit 34 Jahren nur mit schwarzem Papier. Seit ein paar Monaten habe ich eine neue Leidenschaft, ich lerne Piano spielen. Bis jetzt spiele ich zwar fast ausnahmslos mit den weissen Tasten aber ich weiss ganz genau, irgendwann werde ich auch mit den schwarzen Tasten spielen können.

SCHWARZ ist und bleibt meine Lieblingsfarbe auch wenn es laut Google & Co. gar keine Farbe ist. Der für mich wirklich einzige Nachteil von SCHWARZ – die Katzenhaare von meinen beiden Mitbewohnern sind deutlich sichtbar und auch meine eigenen langsam grau werdenden Haare lassen sich zu gut auf SCHWARZ erkennen. Trotzdem werde ich mir aber meine Haare bestimmt nicht mehr färben.

Was ist denn so eure Lieblingsfarbe und warum? Habt ihr euch das schon mal überlegt?

eure farblose Piccolina

 

 

 

 

Nichts ist unmöglich …

Im Jahre 1984 habe ich meinen ersten Scherenschnitt gemacht. Man könnte auch sagen, dass es aus lauter Neugier geschehen ist. Wie mein Erstlingswerk ausgesehen hat, habe ich schon in meinem Beitrag „mein Erstlingswerk“ geschildert und bebildert. Seither sind bald 34 Jahre vergangen und ich denke, dass die Weiterentwicklung nie aufgehört hat. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass man sich in Sachen Weiterentwicklung auch selber sabotieren kann. Das Scherenschneiden ist seit 1988 mein Beruf und die meisten Werke entstanden als Auftragsarbeiten. Zwischendurch habe ich immer wieder ein bisschen experimentiert und dazugelernt.  Ich kann aber behaupten, dass ich meinem Stil vom ersten Tag an treu geblieben bin. An zahlreichen Ausstellungen habe ich seither mitgemacht und zusammen mit befreundeten Scherenschneidern kleinere Ausstellungen organisiert. 

Ein einziges Mal habe ich auf Wunsch eines Kunden auch etwas Farbiges geschnitten, habe aber sofort gespürt, dass dies nicht mir entspricht. Da es mein Beruf war und ich damit meinen Lebensunterhalt verdient habe, wollte ich mir auch nicht den Ast absägen, auf welchem ich gerade mal einigermassen bequem sitzen konnte. Aufgewachsen und während 59 Jahren wohnhaft im Saanenland, habe ich bis heute einen sehr engen Bezug zum dort „ansässigen“ traditionellen und typischen Stil des Scherenschnittes.

Auftragsarbeiten bedeuten immer wieder spannende und teilweise auch sehr aussergewöhnliche Herausforderungen, welche meinen Berufsalltag immer interessant gestalten. Trotzdem ist mir mein traditioneller Stil immer noch das Wichtigste und ich werde diesen Weg – solange ich schneiden kann – wohl auch nicht mehr verlassen.

34 Jahre Scherenschneiden, wovon 30 Jahre als Beruf – eine ziemliche lange Zeit. Ich überlege gerade, wieviele Jahre ich insgesamt wohl mit Papier und Schere in der Hand verbracht habe. Nicht immer ist alles gelungen und wie jeder andere Scherenschneider, habe ich am Anfang von meinem Vorbild Christian Schwizgebel abgeschaut, habe aber immer selber gezeichnet. Trotzdem habe ich innert kürzester Zeit meine eigene Bildsprache gefunden und wer sich ein bisschen mit dem Scherenschnitt befasst, kann meine Werke erkennen, genau wie man jeden anderen Künstler erkennen kann.

Das Thema Urheberrechtsverletzung und Missbrauch unserer Motive würde mehr als einen Blogbeitrag bedeuten und vielleicht komme ich später wirklich nochmal auf dieses Thema zurück. Das Kopieren ist auch ein grosses Thema. Sicher ist, dass der Scherenschnitt nicht NEU erfunden werden kann. Eine Art „déjà-vu“ ist jederzeit möglich und muss nicht mal willentlich geschehen.  Die Geschichte des Scherenschnittes ist sehr alt und führt weit zurück bis nach China. 

In der heutigen Zeit des Internets haben leider auch viele fantasielose Menschen das Gefühl, es handle sich hierbei um einen Selbstbedienungsladen und alles, aber wirklich auch alles sei erlaubt. Motive werden geklaut, abgekupfert und kommerziell genutzt. Einen Gerichtsentscheid gibt es in dieser Angelegenheit leider noch nicht aber wenigstens konnte eine sehr bekannte Scherenschneiderin jetzt erstmals einen für uns alle wichtigen Erfolg vermelden.  Drei Verhandlungsrunden waren für eine aussergerichtliche Einigung notwendig. (St.Galler Tagblatt  7.12.2017,  B. Lanzendorfer)

Die Angst kopiert oder beklaut zu werden droht vielen Scherenschneidern die Freude an ihrer Arbeit zu schmälern und das darf einfach nicht passieren. Sollen wir nur noch für uns im stillen Kämmerchen schneiden und uns nicht mehr trauen, etwas zu publizieren, weil es sofort geklaut und missbraucht wird. Ich hoffe es nicht!

Umso erstaunter habe ich vor wenigen Stunden eine Anfrage per Mail bekommen. Irgendwo in diesem Lande hat ein Ehemann gerade mit dem Scherenschnitt begonnen. Er möchte aber keinen Kurs machen, sondern nur für sich selbst. Ich zitiere wörtlich: so zur Entspannung vom Alltagsstress.

Der gute Mann findet aber anscheinend keine VORLAGEN und wenn schon, müssten dies Vektor Dateien sein. Vektor Dateien könnten von der Frau digital eingefärbt und dann auf schwarzes Scherenschnitt-Papier gedruckt werden. Sie würde mir entsprechende Vorlagen gerne abkaufen und ihm diese dann zu Weihnachten schenken.

Nichts ist unmöglich …!  Ich habe 34 Jahre Erfahrung und habe gefühlte 8 Jahre mit der Schere in der Hand verbracht und er will meine Vorlagen einfach so zur Entspannung vom Alltagsstress ausschneiden???  Wie wäre es, wenn ich einen Profi-Pianisten bitten würde, mir doch bitte seine Version von Beethovens Mondscheinsonate per Mail zu schicken und ich würde diese auf mein Keyboard stellen und dann einfach nachspielen.  Nicht dass ich etwa meine Scherenschnitte mit der Mondscheinsonate auf eine Ebene stellen möchte, mitnichten.  Aber so ganz spontan hat mir diese Idee sogar sehr gut gefallen.

Vergiss es liebe Ehefrau, schenk deinem Ehemann ein Block Scherenschnittpapier, einen gut gespitzten Bleistift, einen Radiergummi, eine Scherenschnitt-Schere und dann lass ihn das ausschneiden, was er auch selber zeichnen kann. Wer nicht selber zeichnen kann, soll besser gar nicht erst auf die Idee kommen, sich an einen Scherenschnitt zu wagen und schon gar nicht an eine Vorlage. Oder vielleicht doch einen Anfängerkurs besuchen?

Soviel zum Thema Entspannung vom Alltagsstress als Scherenschneider.

eure entspannte Piccolina