Wenn Träume wahr werden …

Seit Tagen will ich eine neue Geschichte schreiben und immer wieder drifte ich ab!  Gut, es gibt auch nicht gerade viel Aufregendes zu schreiben. Der Trump ist wieder zurück in die USA, wir haben hier unsere eigenen Probleme oder Problemchen zu lösen und auch der Petrus hat sich wieder daran erinnert, dass doch eigentlich noch Winter ist. Wenigstens die Temperaturen hat er wieder ein bisschen nach unten korrigiert. Die Frau Holle von nebenan ist fleissig wie immer aber auch nicht wirklich erfolgreich.

Der Briefträger war auch schon da und hat mir meine hoffentlich gut reparierten und bestens geschliffenen Scherenschnitt-Scheren gebracht. Es gäbe also eigentlich keinen Grund mich jetzt nicht hinzusetzen und zu arbeiten. Vor mir liegt ein angefangener Scherenschnitt in Arbeit von ca. 50 x 50 cm und es wird Tage, wenn nicht Wochen dauern, bis er fertig ist. Vielleicht würde es nicht ganz so lange dauern … wenn da nicht in meinem Wohnzimmer dieses weisse E-Piano mit den schönen schwarz-weissen Tasten stehen würde. Es lässt mich einfach nicht mehr viel arbeiten!

Ich weiss, dass ich seit 34 Jahren süchtig bin für’s „schnäfle“ für meine grosse Leidenschaft, den Scherenschnitt. Wie es scheint, bin ich jetzt auch noch süchtig nach den Klängen, die diese Tasten erzeugen. Ich finde, süchtig klingt nach schwerer Krankheit. Da gefällt mir doch der französische Ausdruck deutlich besser.

Je suis ACCRO au piano!

Ich übe fleissig, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg und manchmal geht schlichtweg gar nichts. Dann habe ich ja immer noch die Möglichkeit die Schere in die Hand zu nehmen und zu schneiden.

Klavier spielen zu können war mein Traum seit frühster Kindheit. Leider war das Musikgehör meiner Eltern nicht gross genug, um mir diesen Wunsch erfüllen zu können. Als ü60 habe ich mich aber letztes Jahr ganz spontan entschieden, mir diesen Traum noch zu erfüllen. Glücklicherweise bin ich sofort und auf direktem Weg auf meinen seither treuen Lehrer Sven Haefliger gestossen.  Seine Zapiano®-Methode hat mich von der ersten Minute weg fasziniert und überzeugt und in der Zwischenzeit bin im letzten Drittel des Piano Starter-Kurses angekommen.

Meine Hassliebe Tom Dooley ist nicht nur mein Problem.  Viele meiner Mitschüler beim Piano-Starter-Kurs erleben genau die gleiche Hürde. In unserer geschlossenen Facebook-Gruppe ermuntern wir uns immer wieder gegenseitig und da ist der gute alte Tom Dooley ein Dauerthema.

Ich staune immer wieder wie viel Mitschüler auch in meinem Alter sich ihren Traum vom Klavier spielen noch erfüllen wollen und genau das macht unsere Gruppe so toll.

Als Mitglied des Piano-Clubs habe ich jetzt auch die Möglichkeit auf alle Kurse zuzugreifen und ich werde das auch tun. Vorerst aber gebe ich mein Bestes, um schon mal den Starter-Kurs zu beenden.

Unser Lehrer Sven ist, wie es scheint ein wirklich ein echt cooler Typ und in meinem Tablet ist er immer anwesend. Es scheint, dass schon Tausende mit seiner ganzheitlichen Methode das Piano spielen erlernt haben.  Schade habe ich das nicht schon viel früher entdeckt.

Wie heisst es immer so schön im TV – Werbung durch Projektplatzierung?  Da ich ja nicht gut mein E-Piano (übrigens ein weisses KAWAII ES 110) oder den Sven persönlich hier platzieren kann, füge ich euch besser einen Link direkt zu Zapiano® ein.

Wenn ihr auch nur einen winzig kleinen Gedanken habt, vielleicht doch mit Piano spielen zu beginnen … wartet nicht länger, es ist schade um jeden verpassten Tag,

Viel Spass und bleibt immer schön im Takt – ich geh dann mal wieder klimpern und nachher meine Scheren testen😊

eure träumende Piccolina

Frau Holle im Klopfrausch …

In den Bergen schneit es wie schon lange nicht mehr. Immer wieder regnet es aber auch bis auf 2000 m.ü.M oder höher und die Lawinengefahr pendelt seit Tagen zwischen Stufe 4 und 5.

Als ob‘s gestern gewesen wäre, erinnere ich mich an den Winter 1999 welcher in ähnlichem Ausmass Schneereich und aufregend war. Die Strasse nach Lauenen war öfters mal wegen Lawinengefahr gesperrt. Wir hatten genug zu essen im Haus und in den Geschäften im Dorf. Die Post wurde per Helikopter nach Lauenen transportiert. Einige Dorfbewohner kamen für die Nächte bei Freunden ausserhalb des Sperrungsgebiets in Gstaad oder Saanen unter und gingen brav arbeiten. Andere widerum konnten wie ich, zuhause bleiben und die angenehm ruhige Stimmung vielleicht sogar ein bisschen geniessen.

Da ich mein eigener Chef war, konnte ich mit sehr gutem Gewissen für fast drei Wochen zuhause bleiben. Keine Besucher, kaum Touristen im Dorf, alles lag wortwörtlich im Winterschlaf. Zurückblickend eine ganz schöne und wertvolle Erfahrung und für mich waren es die kreativsten und arbeitsintensivsten 3 Wochen überhaupt.

Umso dankbarer bin ich jetzt, im Winter 2018 hier im „Flachland“ zu wohnen. Kein Schnee räumen, nicht mehr wissen wo ich die Massen an Schnee überhaupt noch hin schaufeln könnte. Kein Garagendach ab schaufeln,  keine Schneeketten montieren und keine miserablen Strassenverhältnisse mehr. Wie sehr ich das alles geniesse. Hier ist es eher wie ein Leben im Aquarium. Der Regen peitscht unaufhörlich gegen die grossen Fensterscheiben zu meiner Terrasse. Die Katzen strecken nicht mal ihre Nasen nach draussen und ich fahre, wenn es denn unbedingt sein muss von unserer Einstellhalle direkt in die Einstellhalle in der Stadt. So kann mich sogar ohne Schirm nach draussen wagen. Die Wetteralarme kommen hochdosiert und die gestrige Meldung betreffend Lawinengefahr Stufe 4 auch hier in Riaz, bestätigen meinen Entschluss auch heute zuhause zu bleiben.  🙂

Piano spielen und „schnäfle“  kann ich ja inzwischen auch unter nicht alltäglichen Bedingungen. Schon lange möchte ich mal per Kurier eine Pizza bestellen. Vielleicht ist es heute gerade der richtige Tag? 🙂

Was ist bloss mit Frau Holle los?  Ist es ein Zeichen der Natur? Dass wir ALLE, hier nur vorübergehend auf Mutter Erde verweilen dürfen? Oder, dass mehr Sorgfalt zur Umwelt seit langer Zeit dringend notwendig wäre.  Bleibt uns durch die Wetterkapriolen vielleicht sogar der angekündigte WEF-Besuch des amerikanischen Präsidenten erspart? Das wäre im Moment aus meiner Sicht gerade der einzig erkennbare und  positive Nebeneffekt.

Frau HOLLE, was ist los bei dir oben?  Warum bis du so schlecht gelaunt?

Apropos Frau Holle … ihr kennt wahrscheinlich den Spruch mit dem Teppich klopfenden Nachbarn, oder? Der Nachbar steht im Garten und klopft seinen Teppich aus. Fragt der andere Nachbar – was ist Aladin, will er heute nicht anspringen?

Jeden Morgen erlebe ich ähnliches. Meine Frau Holle beginnt ihren Dienst Montag – Freitag pünktlich immer um ca. 7.15h. Sogar bei andauerndem schweren Regen wie heute! Unerbittlich geht es los, immer und immer wieder. Sie klopft ihren Bettinhalt, Pyjamas, Kissen und weiss der Geier was sie alles klopft. Normalerweise bleibt alles für eine Weile an zwei Fenster liegen aber heute wäre das als ob sie es direkt in die gefüllte Badewanne schmeissen würde. Also rein damit und wieder aufs Bett.

Ein ganz kurzes Intermezzo aber sowas von regelmässig und unermüdlich. Ich werde mir richtig Sorgen machen wenn diese Zeremonie einmal ausserhalb der Schulferienzeit ausblieben würde.  Da ich also jeden Tag zwischen 7.12 und 7.27 von Frau Holle geweckt werde, bin ich nicht nur ein Spätschläfer sondern auch ein Frühaufsteher und komme daher kaum mal auf meine angestrebten 7 Stunden Schlaf. Und das alles OHNE meine Hörgeräte die ich ja Nachts nicht trage. 🙂

Was soll’s, heute ist es wieder so furchtbar draussen, dann gönne ich mir halt ein kleines Nickerchen während Frau Holle wohl in der Wohnung rumklopft. Wenn es denn wenigsten mal wunderschöne Flocken schneien würde…

eure aufgeklopfte Piccolina

Die Schöne und das Biest … oder einfach nur kein Anstand?

Ein Beitrag von Modepraline, geschrieben am letzten Ferienabend in Gstaad!

 

In trauter Zweisamkeit machen der Göttergatte und ich uns auf zum Abendessen in einem wunderbaren Restaurant in Gstaad. Letzter Abend – besonderer Genuss! Ein Ambiente wie es im Buche steht; eine erlesene Menuauswahl die ihresgleichen sucht und ein Service, der nur schwer zu toppen ist. Einfach perfekt … wenn da nicht nach kurzer Zeit des […]

über Hallo Anstand? — MODEPRALINE

Mein grösster Wunsch …

für das neue Jahr und für die Zukunft ist GESUNDHEIT.  Gesundheit für mich und für all meine lieben Freunde und Familie, welche mich durch das Jahr 2017 begleitet haben.

Ich hoffe, ich darf auch im neuen Jahr wieder mit vielen lieben Freunden reisen. Der Lebenszug fährt ungebremst weiter und es werden sicher wieder Menschen aus- und hoffentlich auch wieder einsteigen. Manche bleiben auch einfach an einer Haltestelle stehen und warten auf den nächsten Zug oder wollen in die andere Richtung.

Das angenehme am Lebenszug ist, dass man auch ohne schweres Gepäck mitreisen kann. Ich freue mich auf eine spannende Reise durch 2018 und freue mich, euch irgendwo während der Fahrt oder bei einem Zwischenhalt anzutreffen.

bis bald im 2018

eure Piccolina

 

 

 

Verkehrte Welt … Tulpen zu Weihnachten?

Anstelle von glitzernden Skipisten, stahlblauem Himmel und Sonnenschein ist es, wie fast jede Altjahrswoche … trüb, nass und grau. Dafür schneit es jetzt im Tessin bis in tiefe Lagen und zwar richtig zünftig. Verkehrte Welt – irgendwie!

In den letzten Tagen habe ich mein Zuhause genossen und mir jeden Abend ein schönes Feuer im Schwedenofen gegönnt. So richtig warm und heimelig. Leider ist dadurch mein Vorrat, an zugegeben minderwertigem Cheminéholz, sehr schnell aufgebraucht gewesen. Also habe ich mich heute auf den Weg gemacht um besseres Holz zu finden. Da ich keine sehr schwere Lasten tragen wollte, fuhr ich zum Grossverteiler. Ich wurde sofort fündig. Schönes Schweizer Buchenholz. Etwas gross vielleicht aber qualitativ schien es doch viel besser zu sein als das Letzte.

Es gab Kartons zu 15kg, dass sollte ich gerade noch schaffen. Ich sah, dass es einige zerrissene Kartons hat und ich suchte mir ein noch intaktes Exemplar und hisste das ganz vorsichtig auf meinen Schwertransporter. Nach etwa 20cm Höhenunterschied vom ursprünglichen Standort, gab es einen Höllenlärm und mindestens die halbe Ladung des Kartons befand sich kreuz und quer am Boden verteilt. Anständig wie ich bin, schichtete ich das Holz nun direkt in meinen Einkaufswagen. Den halbleeren Karton versuchte ich wieder zusammenzustecken und fuhr zur Kasse.  Dort entschuldige ICH mich sogar noch für das Durcheinander.  Den kaputten Karton nahm ich natürlich mit und werde ihn wie erwartet auf der entsprechenden Entsorgungsstelle deponieren.

WER um Himmels Willen denkt sich solche Verpackungen für 15 kg. schweres Buchenholz aus.  Eine zu gross geratene Kleenex-Verpackung, besser kann man das nicht beschreiben.  Überhaupt, was da jetzt wieder alles angeboten wird.  Da wo bis vor drei Tagen noch alles voller Weihnachtsschmuck und Deko stand, türmen sich jetzt riesige Holzkisten voll mit jeglichem Gerümpel. Grosser Ausverkauf und Aktions-Plakate. Sogar Garten-Möbel gibt es wieder. Wahrscheinlich die Ladenhüter von anno dazumal die jetzt dringend Platz machen müssen für die neue Lieferung.

Irgendwie ist es krankhaft. Ein Blick nach draussen und ich sah, dass es nicht regnete sondern für ein paar Minuten in grossen Flocken schneite.  Kaum hatte ich mich von der fiesen Schachtel erholt, stand ich neben einem Berg mit TULPEN!   Jawohl, drei Tage nach Heiligabend –  Tulpen in allen Farben. Ich war so überrascht, ich habe wirklich nicht mal geschaut woher die Tulpen überhaupt kamen. Aber eigentlich wollte ich das auch wahrscheinlich auch gar nicht wissen. Ich würde NIE auf die Idee kommen, an Weihnachten Tulpen in eine Vase zu stellen.

Genau so wenig wie ich Erdbeeren kaufen würde 😦  Irgendwie leben wir in einer verrückten oder komplett verkehrten Welt.

Ich bin froh wieder zuhause zu sein. Freue mich auf mein heutiges Feuer und auf ein saisongerechtes Essen mit Sauerkraut oder Raclette oder Fondue. Schliesslich ist jetzt erst Winteranfang und nicht schon kurz vor Ostern.

wärmende Grüsse und eine stressfreie Altjahrswoche

eure Piccolina

Weihnachtsduft …

Niemand erwartet von mir eine Weihnachtsgeschichte. Wer mich kennt weiss, dass ich mit Weihnachten nicht sehr viel anfangen kann.

Ich erinnere mich gerne an Weihnachten als Kind. Wir hatten ein richtiges, kleines, meist schiefes Weihnachtsbäumchen mit roten, echten Wachskerzen und all den damit verbundenen Duftnoten. Wir haben Weihnachtslieder gesungen oder auf der Blockflöte und Gitarre gespielt. Als Geschenke bekamen wir Pyjamas, Pullis, Würfelspiele, Silberbesteck, Stoff-Nastücher, schön verzierte Lebkuchen mit einem aufgeklebten Fünfliber und viele Bücher. Die rote Zora, die Förster Christl und wie sie alle hiessen.  Weihnachtsgüetzli haben wir fast nie gemacht. Die feinen Brätzeli gab es aber bei uns an Weihnachten immer.  Dieser herrliche Brätzeliduft  in der ganzen Wohnung … das war für uns Weihnachten. Zum Essen gabs ein Rollschinkli mit feinem „Härdöpfelsalat“ und dazu frische Ananas. Warum erzähle ich euch das?

Gestern fuhr ich mit einer Lieferung ins nahe gelegene Charmey. Nach getaner Arbeit wollte ich in einem Restaurant etwas essen. Es herrschte viel Betrieb und war hektisch. Ich sah dem Gastgeber seine Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Den letzten noch freien 4-er Tisch an eine Einzelperson verlieren machte weder ihm noch mir wirklich Freude. Er könnte mir aber doch noch etwas anbieten. Einen winzig kleinen Tisch, mit viel Krimskrams überstellt, könnte er mir leerräumen. So quasi mitten im Geschehen und mitten im Durchgang!  Nein Danke, dann doch lieber gar nicht. Das sind leider die Unannehmlichkeiten wenn man freiwillig oder wie ich leider unfreiwillig im Alleingang unterwegs ist.

Ich war schnell wieder draussen und setzte meinen Spaziergang fort und fand mich plötzlich bei der Talstation von Le Vounetz wieder. Le Vounetz ist der Hausberg von Charmey.  Ganz spontan löste ich mir ein „Aller-Retour“ Ticket für nur 14 Franken.

Spätestens ab der Mittelstation bereute ich schon, ohne meine Skiausrüstung unterwegs zu sein. Warum hatte ich bloss am morgen nicht daran gedacht einen ersten Skitag in der Region zu wagen? Oben angekommen habe ich als erstes die schöne Aussicht auf „meinen“ Hausberg den Moléson und auf den Greyerzersee und die noch verschneite Landschaft genossen.

 

Es wurde mir schlagartig bewusst, dass dies mein erster Allein-Skiberg ist. Viele schöne Erinnerungen an unvergesslich schöne Skitage zusammen mit meinem Vater und mit meinem Mann kamen mir in den Sinn und ich schickte liebe Grüsse zu meinen Lieben in den stahlblauen Himmel.

Im Selbstbedienungs-Restaurant gönnte ich mir zum Mittagessen eine Spezialität des Greyerzerlandes. Soupe de chalet ( Rezept hier )

In Lauenen gibt es die bekannten „Strüwi-Trischte“  die Stroh-Tristen und hier gibt es eine wunderschöne „Holz-Triste“ zu sehen.

 

Ich war mir sicher, ich würde wiederkommen und zwar mit Skis oder mit Schneeschuhen.

Zurück im Dorf habe ich meinen Spaziergang fortgesetzt. Das Strässchen führte aus dem Dorfkern raus und plötzlich stieg mir dieser herrliche, wohlbekannte Duft in die Nase. Eine mir entgegen kommende Frau muss mein Rumschnuppern bemerkt haben und sie zeigte mit ihrer Hand auf ein Haus im typischen Stil erbaut und sagte dazu nur …. Bricelets (Brätzeli).  Ich bin die wenigen verschneiten Stufen raufgestiegen und befand mich mitten drin – im Brätzeli-Himmel von Charmey. Ein alter Keller, sehr bescheiden eingerichtet mit zwei langen Tischen. Auf der einen Seite geschätzte 20 Schüsseln mit Teig und auf der anderen Tischhälfte 7 Brätzeli-Eisen im Volleinsatz! Man stelle sich vor, 7 Eisen gleichzeitig im Betrieb. Es war kalt in dem Raum und der Dampf ist aus allen Eisen gleichzeitig aufgestiegen und trotz unserem Geplauder hat sie alle Brätzeli schön der Reihe nach und alle gleichmässig braun rausgenommen und zackzack gerollt.

 

Ich merke in letzter Zeit, dass ich für vieles länger brauche als bisher. Ob das eine Frage des Alters oder meine neu gewonnen Gelassenheit ist, kann ich nicht genau sagen.  Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich immer noch recht schnell bin und ich würde mir zutrauen mit 2 Eisen gleichzeitig Brätzeli zu backen. Aber SIEBEN auf’s Mal, unmöglich.

Nebst den gerollten süssen Brätzeli macht die gute Frau auch noch unzählige gesalzene Varianten.  Sesam, Mohn, Kümmel,  Käse, Chili … insgesamt 12 Vaianten. Die Gesalzenen sind nicht gerollt und wahrscheinlich rund oder in Viertel geteilt.  Leider konnte ich nicht so lange dort bleiben um auch noch die Produktion der gesalzenen Varianten zu bestaunen. Ich bekam ein süsses Brätzeli als Geschenk, es schmeckte wunderbar. Beiläufig erfuhr ich von der Frau noch, dass sie diese Produktion nicht nur vor Weihnachten sondern das ganze Jahr durchzieht.  Ich habe nicht gefragt wie oft aber ich bin sicher es gibt dort mindestens  einen Brätzeli-Tag pro Woche. Und ich bin mir fast sicher, die Frau braucht nie ein neues Parfum.

Für mich war das eine ganz besondere Begegnung und der Duft nach Brätzeli hat mich an Weihnachten von früher erinnert.  Ich weiss, früher war nicht alles besser – aber Weihnachten ganz bestimmt.

Ich wünsche euch und euren Liebsten fröhliche Weihnachten mit vielen feinen Düften.

eure Piccolina

 

Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Es war mir klar, dass ich nicht die Einzige bin die solch traurige Begegnungen zu meistern hat.  Passend zu meinem Blog-Beitrag Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen … möchte ich hier den heutigen Beitrag von Flohnmobil aufschalten.

Meine Liebe – es tut mir sehr leid, dass du das auch erleben musst. Nebst meiner unvergesslichen Begegnung auf dem Friedhof, haben mir netterweise zwei geschiedene Damen trostspendend aber unabhängig voneinander folgendes gesagt: sei „FROH“ ist dein Mann gestorben und ist er nicht mit einer ANDEREN auf und davon, so weisst du wenigstens WO ER IST! Wie kann man resp. Frau nur so gefühls- und respektlos sein – ich kann das einfach nicht verstehen.

Viel Kraft weiterhin liebe Frau Flohnmobil.

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich. Wir wissen wenig von einander. Die […]

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Nichts ist unmöglich …

Im Jahre 1984 habe ich meinen ersten Scherenschnitt gemacht. Man könnte auch sagen, dass es aus lauter Neugier geschehen ist. Wie mein Erstlingswerk ausgesehen hat, habe ich schon in meinem Beitrag „mein Erstlingswerk“ geschildert und bebildert. Seither sind bald 34 Jahre vergangen und ich denke, dass die Weiterentwicklung nie aufgehört hat. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass man sich in Sachen Weiterentwicklung auch selber sabotieren kann. Das Scherenschneiden ist seit 1988 mein Beruf und die meisten Werke entstanden als Auftragsarbeiten. Zwischendurch habe ich immer wieder ein bisschen experimentiert und dazugelernt.  Ich kann aber behaupten, dass ich meinem Stil vom ersten Tag an treu geblieben bin. An zahlreichen Ausstellungen habe ich seither mitgemacht und zusammen mit befreundeten Scherenschneidern kleinere Ausstellungen organisiert. 

Ein einziges Mal habe ich auf Wunsch eines Kunden auch etwas Farbiges geschnitten, habe aber sofort gespürt, dass dies nicht mir entspricht. Da es mein Beruf war und ich damit meinen Lebensunterhalt verdient habe, wollte ich mir auch nicht den Ast absägen, auf welchem ich gerade mal einigermassen bequem sitzen konnte. Aufgewachsen und während 59 Jahren wohnhaft im Saanenland, habe ich bis heute einen sehr engen Bezug zum dort „ansässigen“ traditionellen und typischen Stil des Scherenschnittes.

Auftragsarbeiten bedeuten immer wieder spannende und teilweise auch sehr aussergewöhnliche Herausforderungen, welche meinen Berufsalltag immer interessant gestalten. Trotzdem ist mir mein traditioneller Stil immer noch das Wichtigste und ich werde diesen Weg – solange ich schneiden kann – wohl auch nicht mehr verlassen.

34 Jahre Scherenschneiden, wovon 30 Jahre als Beruf – eine ziemliche lange Zeit. Ich überlege gerade, wieviele Jahre ich insgesamt wohl mit Papier und Schere in der Hand verbracht habe. Nicht immer ist alles gelungen und wie jeder andere Scherenschneider, habe ich am Anfang von meinem Vorbild Christian Schwizgebel abgeschaut, habe aber immer selber gezeichnet. Trotzdem habe ich innert kürzester Zeit meine eigene Bildsprache gefunden und wer sich ein bisschen mit dem Scherenschnitt befasst, kann meine Werke erkennen, genau wie man jeden anderen Künstler erkennen kann.

Das Thema Urheberrechtsverletzung und Missbrauch unserer Motive würde mehr als einen Blogbeitrag bedeuten und vielleicht komme ich später wirklich nochmal auf dieses Thema zurück. Das Kopieren ist auch ein grosses Thema. Sicher ist, dass der Scherenschnitt nicht NEU erfunden werden kann. Eine Art „déjà-vu“ ist jederzeit möglich und muss nicht mal willentlich geschehen.  Die Geschichte des Scherenschnittes ist sehr alt und führt weit zurück bis nach China. 

In der heutigen Zeit des Internets haben leider auch viele fantasielose Menschen das Gefühl, es handle sich hierbei um einen Selbstbedienungsladen und alles, aber wirklich auch alles sei erlaubt. Motive werden geklaut, abgekupfert und kommerziell genutzt. Einen Gerichtsentscheid gibt es in dieser Angelegenheit leider noch nicht aber wenigstens konnte eine sehr bekannte Scherenschneiderin jetzt erstmals einen für uns alle wichtigen Erfolg vermelden.  Drei Verhandlungsrunden waren für eine aussergerichtliche Einigung notwendig. (St.Galler Tagblatt  7.12.2017,  B. Lanzendorfer)

Die Angst kopiert oder beklaut zu werden droht vielen Scherenschneidern die Freude an ihrer Arbeit zu schmälern und das darf einfach nicht passieren. Sollen wir nur noch für uns im stillen Kämmerchen schneiden und uns nicht mehr trauen, etwas zu publizieren, weil es sofort geklaut und missbraucht wird. Ich hoffe es nicht!

Umso erstaunter habe ich vor wenigen Stunden eine Anfrage per Mail bekommen. Irgendwo in diesem Lande hat ein Ehemann gerade mit dem Scherenschnitt begonnen. Er möchte aber keinen Kurs machen, sondern nur für sich selbst. Ich zitiere wörtlich: so zur Entspannung vom Alltagsstress.

Der gute Mann findet aber anscheinend keine VORLAGEN und wenn schon, müssten dies Vektor Dateien sein. Vektor Dateien könnten von der Frau digital eingefärbt und dann auf schwarzes Scherenschnitt-Papier gedruckt werden. Sie würde mir entsprechende Vorlagen gerne abkaufen und ihm diese dann zu Weihnachten schenken.

Nichts ist unmöglich …!  Ich habe 34 Jahre Erfahrung und habe gefühlte 8 Jahre mit der Schere in der Hand verbracht und er will meine Vorlagen einfach so zur Entspannung vom Alltagsstress ausschneiden???  Wie wäre es, wenn ich einen Profi-Pianisten bitten würde, mir doch bitte seine Version von Beethovens Mondscheinsonate per Mail zu schicken und ich würde diese auf mein Keyboard stellen und dann einfach nachspielen.  Nicht dass ich etwa meine Scherenschnitte mit der Mondscheinsonate auf eine Ebene stellen möchte, mitnichten.  Aber so ganz spontan hat mir diese Idee sogar sehr gut gefallen.

Vergiss es liebe Ehefrau, schenk deinem Ehemann ein Block Scherenschnittpapier, einen gut gespitzten Bleistift, einen Radiergummi, eine Scherenschnitt-Schere und dann lass ihn das ausschneiden, was er auch selber zeichnen kann. Wer nicht selber zeichnen kann, soll besser gar nicht erst auf die Idee kommen, sich an einen Scherenschnitt zu wagen und schon gar nicht an eine Vorlage. Oder vielleicht doch einen Anfängerkurs besuchen?

Soviel zum Thema Entspannung vom Alltagsstress als Scherenschneider.

eure entspannte Piccolina

Du kannst ja jetzt machen was du willst …

so lautet der Titel des Blogbeitrages welchen ich euch als Ergänzung zu meinem soeben veröffentlichten Beitrag wärmstens empfehlen möchte. Danke Frau Flohnmobil für diese Geschichte und weiterhin alles Gute und viel Kraft und friedliche Adventszeit.

Ich gehe manchmal erst um Mitternacht ins Bett. Du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich habe keine fixen Essenszeiten mehr. Du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich fahre übermorgen schon wieder ins Tessin zum Wandern. Du hast Recht, du kannst ja jetzt machen was du willst. Ich habe gestern fünf Paar […]

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Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen …

Die richtigen Worte … warum ist es so unglaublich schwer, die richtigen Worte zu finden? Falls man das wirklich nicht schafft, wäre NICHTS sagen doch auch eine Lösung. Obwohl, NICHTS sagen kann für den Nicht-Gesprächspartner noch schlimmer sein.  Wenn die richtigen Worte fehlen, fühlt man dann möglicherweise auch NICHTS! Oder es gäbe doch noch die Möglichkeit einer stillen aber ehrlichen und gutgemeinten Umarmung mit den Worten: es tut mir leid, mir fehlen die Worte oder ich weiss nicht was ich sagen soll?

Ist das so schwer?

Zwei Tage nach der Trauerfeier für meinen Mann hatte ich folgende unvergessliche Begegnung:

Auf dem Weg zum Friedhof traf ich auf eine Dorfbewohnerin. Sie war zwar ebenso wenig wie ich „echte Einheimische“, das kann man aus eigener Kraft wohl nicht werden. Man ist nur „echt“ durch die Geburt und auch das müsste wohl auch schon seit mehreren Generationen so sein. Meine 37 Jahre Wohnsitz konnten an meinem Fremdkörpergefühl nichts ändern.

An dem kleinen Weg zur Kirche trafen wir aufeinander, sie MIT und ich OHNE Giesskanne. Wir begrüssten uns mit einem Wort und nahmen den Weg zur Kirche unter die Füsse. Gehst du auch Blumen giessen, fragte sie mich. Wie erwähnt hatte ich keine Giesskanne bei mir, wonach hat es also ausgesehen? Sie hatte, wie man es vielleicht hätte erwarten können, kein Wort des Trostes oder des Mitgefüehls zum Tod meines Mannes ausgesprochen. Das dies schwierig oder sogar unmöglich war, hatte ich in den Tagen nach seinem Tode bereits mehrmals erfahren, sogar auf der lokalen Behörde wo ich ein Namenschild für das Gemeinschaftsgrab bestellen musste.

Doch zurück zu der Frau mit der Giesskanne. Ihre Frage nach dem Grund meines Besuches, beantwortete ich mit aufsteigenden Tränen in meinen Augen. Nein, ich gehe nicht giessen, vorgestern war die Abdankung für meinen verstorbenen Mann und ich wollte einfach kurz zum Gemeinschaftsgrab wo die Asche meines Mannes lag.  Wie aus der Pistole geschossen kam auch schon ihre Antwort. Ich höre diese Worte noch so sehr in meinem Innern, es war als ob mir jemand ein Messer in mein tief trauriges Herz gestossen hätte.

Ich übersetze ihre Aussage wortwörtlich aus dem Nicht-Einheimischen-Dialekt:

Ach ja genau, habe ich gelesen.  Jetzt hast du so lange KEINEN gehabt, im ALTER doch noch EINEN gefunden und nun ist DER schon gestorben, das ist schon KRASS.

Ich war sprachlos, das gibt’s relativ selten bis nie aber in diesem Moment fehlten mir jegliche Worte.

Was um Himmel’s Willen sollte das? Wie konnte man bloss so unsensibel oder so taktlos sein?  Und ich schwöre euch, ich habe meine Hörgeräte getragen und ich habe jede einzelne Silbe korrekt verstanden. Diese Worte sind unvergesslich geblieben und ich hätte mir damals gewünscht, dass der Boden neben dem Grab aufgehen würde und ich darin versinken könnte. Leider war es nicht so. Ich habe mich neben dem Grab niedergekniet und verfiel für ein paar Minuten in Schockstarre.  So ganz aufgewacht bin ich aus diesem Schock bis heute nicht und immer und immer wieder kommt mir diese Aussage in den Sinn.

Vor zwei Tagen war ich auf demselben Friedhof an einer Abdankung einer „echten Eingeborenen“. Ich habe für meinen Mann und meine Eltern eine Kerze angezündet und der Laternenkerze mittels neuen Batterien Leben eingehaucht und dabei hörte ich immer und immer wieder diese Stimme und diese Worte.  Warum ich damals nicht sofort reagiert habe weiss ich nicht. Jetzt aber, werde ich diese Geschichte ausdrucken und per Post an die richtige Adresse schicken – so quasi eine Adventsgeschichte der besonderen Art.

Reden ist SILBER – Schweigen ist GOLD!

Ich wünsche euch allen eine friedliche und besinnliche Adventszeit

eure Piccolina