Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Es war mir klar, dass ich nicht die Einzige bin die solch traurige Begegnungen zu meistern hat.  Passend zu meinem Blog-Beitrag Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen … möchte ich hier den heutigen Beitrag von Flohnmobil aufschalten.

Meine Liebe – es tut mir sehr leid, dass du das auch erleben musst. Nebst meiner unvergesslichen Begegnung auf dem Friedhof, haben mir netterweise zwei geschiedene Damen trostspendend aber unabhängig voneinander folgendes gesagt: sei „FROH“ ist dein Mann gestorben und ist er nicht mit einer ANDEREN auf und davon, so weisst du wenigstens WO ER IST! Wie kann man resp. Frau nur so gefühls- und respektlos sein – ich kann das einfach nicht verstehen.

Viel Kraft weiterhin liebe Frau Flohnmobil.

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich. Wir wissen wenig von einander. Die […]

über Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Freitag 13. Oktober 2017

Keine Angst, keine Geschichte über Aberglaube oder Unglaubliches. Obwohl… so ganz normal scheint mir dieser Freitag der 13. Oktober 2017 doch nicht zu sein. Es ist etwa noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang und ich sitze in leichtester Sommermontur auf meiner Terrasse. Mit zusammengekniffenen Augen, weil ich mit der Sonnenbrille auf dem Bildschirm noch weniger erkennen kann. Das Thermometer steht im Schatten und zeigt gerade 24,7 Grad an. Und das soll normal sein? Ich kann mich nicht erinnern je einen solche schönen Sommer und Herbst bewusst erlebt zu haben.

Sicher….. schönes Wetter, stahlblauer Himmel und herbstliche Bäume in allen Farben das gibt es ja glücklicherweise jedes Jahr. Letztes Jahr war mein erster Herbst hier im Greyerzerland aber da habe ich vieles noch anders empfinden. Nun aber, der Herbst 2017 ist sowas von schön! Es rührt mich auch öfters mal zu Tränen. Tränen weil ich dann meinen Mann vermisse und traurig bin, weil wir das nicht mehr zusammen erleben und geniessen dürfen. Ein paar Minuten später wechselt diese Trauer dann aber zu einer unbeschreiblichen Dankbarkeit, dass ich das erleben darf und ich geniesse jeden einzelnen Tag. Da die Zeit mit meinem Geburtstag zusammenfällt, habe ich noch mehr Besuch als sonst und so bin ich fast jeden Tag irgendwo unterwegs und ich kann nicht genug davon bekommen von diesem grün-gelb-rot Tönen des Waldes und im Gegensatz dazu das Blau des Himmels und des Wassers. Da es hier viel mehr Laubwald hat als auf 1’250 m ü. M ist alles viel intensiver.

Die vielen Begegnungen mit meinen Freunden von früher und all meinen neuen Freunden aus meinem neuen Leben hier sind so unglaublich wertvoll und ich schätze mich sehr glücklich und bin dankbar für jede einzelne Begegnung.

Und jeder, wirklich jeder Besucher hat ganz plötzlich vollstes Verständnis für unsere, resp. meine Entscheidung hierher zu ziehen. Auch all diejenigen, die es bisher nicht verstehen konnten und sehr skeptisch waren. Das ist ein ganz wundervolles Gefühl und macht alles noch besser. So empfinde ich diesen Freitag 13. Oktober mit sommerlichen Temperaturen als grosses Glück und freue mich, dass noch ein paar solche Tage angesagt sind und ich werde jeden einzelnen geniessen….. ganz bewusst geniessen.

Nach der Diagnose meines Mannes ist unsere Welt und all unsere Träume innert Minuten zu einem Albtraum geworden. Ich empfand weder Freude noch Trauer, keine Lust und Motivation einfach nur noch blanke ANGST. Oft habe ich gedacht und auch gesagt ich würde das allein niemals schaffen und er hat mir immer gesagt ich würde die Kraft bekommen um weiterzumachen. Geglaubt habe ich ihm damals nicht. Nur gehofft, dass er recht haben möge und es ist wirklich so …… das einzige was ich seit seinem Tode nicht mehr habe ist ANGST. Das Schlimmste was ich befürchtet habe ist eingetroffen, ich habe den liebsten und wichtigsten Menschen verloren. Es gibt keinen Grund mehr Angst zu haben und jetzt sind alle anderen Gefühle wie mir scheint umso stärker zurückgekommen und dazu gehört auch die Freude an so einem wunderschönen Freitag den 13-ten!

Ein paar Sekunden nach der niederschmetternden Diagnose hat Gino zu mir und zum Arzt gesagt: es gibt kein glückliches Leben, es gibt nur glückliche Momente im Leben. Er hat versucht uns das zu erklären und ich habe ebenso versucht es zu verstehen. Damals ist es mir nicht wirklich gelungen. Heute weiss ich, was er damit gemeint hat und daher ist der heutige Freitag der 13. für mich auf jeden Fall ein Glückstag.

viel Glück für euch alle

eure Piccolina

Ende gut…..

…..ich habe meine Liebsten wieder gefunden.

In der Vergangenheit hatte ich wirklich nicht immer nur Glück, um nicht zu sagen eine längere Pechsträhne. Angefangen hat es vor 11 Jahren als unser lieber Päps nur wenige Wochen nach der Diagnose und doch ganz überraschend gestorben ist. Seine Trauerfeier wäre genau auf meinen 50-igsten Geburtstag gefallen. Es war auch so schon schwierig genug und so entschieden wir im Familienrat die Trauerfeier auf den Tag nach meinem Geburtstag zu verschieben.

Im Juli 2014 ist unser Mami von seiner langen, mit sehr viel Geduld ertragenen Krankheit erlöst worden. Ich pflege zu sagen, mein Mami sei 2 mal gestorben, einmal durch die fortgeschrittenen Demenz welche zu Parkinson dazu kam und dann nochmals an einem schönen warmen Julitag 2014.

Dass Eltern sterben ist eigentlich der normale Lauf des Lebens aber nur zwei Jahre später musste ich auch von meinem geliebten Ehemann Abschied nehmen. Es war schrecklich und ich frage mich oft, wie ich das überhaupt bis heute alles geschafft habe. Wir, mein Mann und ich hatten noch so viele Pläne für das Leben, für unser Leben nach all den traurigen Erlebnissen. Ein Leben im Greyerzerland war schon lange unser Traum und ich habe ihm versprochen, dass wir spätestens zu seiner Pensionierung unser neues Leben beginnen würden.

All unsere Träume und Pläne sind durch seine Krankheit und seinen viel zu frühen Tod geplatzt und nur 10 Tage nach seinem Tod konnte/musste ich die Schlüssel für unser neues Zuhause im Greyerzerland in Empfang nehmen. Mein Bruder hat mich bei diesem schweren Gang begleitet. Es war sehr traurig und trotzdem habe ich sofort gespürt, dass meine Entscheidung an unseren Plänen festzuhalten die Richtige war und ich habe es bisher nicht eine einzige Sekunde bereut.

Nur wenige Tag nach der Trauerfeier für meinen Mann begann das grosse Räumen. Ich empfand es trotz den erschwerten Umständen für befreiend und konnte mich ohne Probleme von fast Allem trennen. Eine grosse Mulde wurde vorgefahren und ich begann im wahrsten Sinne des Wortes Ballast abzuwerfen und mich frei zu schaufeln. Wer auch schon mal nach 37 Jahren umgezogen ist, weiss wovon ich hier schreibe.

In der neuen Wohnung und in der neuen Umgebung habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt und die Kartons welche ich mitgenommen hatte, waren schnell ausgepackt und alles direkt am richtigen Ort verstaut. Abgesehen von meinen Liebsten habe ich nichts vermisst und doch war da noch etwas, was ich einfach nicht mehr gefunden habe.

Es waren zwei Fotos meiner Eltern und das Foto von meinem bereits erkrankten Mann welches wir in der Kirche bei der Trauerfeier aufgestellt hatten. Immer wieder habe ich überlegt wo die Bilder wohl sein könnten, wo sie gelandet sind.

Eine liebe Freundin kam heute zu Besuch und irgendwie sprachen wir über unsere Küchen. Meine Küche ist eigentlich ein Traum und abgesehen von der Höhe der Arbeitsfläche und der Schränke gibt es da gar nichts zu beanstanden. Das Problem mit der Höhe ist auch nicht wirklich das Problem der Küche sondern eher das Problem meiner Körpergrösse von nur ca. 1.50m. Ein Wort ergab das andere und ich hatte ganz plötzlich die Idee ich könnte doch meine Brienzer Kühe auf die Küchen-Obschränke stellen. Da es in meinem Wohnzimmer bereits ein wunderschönes Kuh-Bild von Björn Zryd aus Adelboden gibt, würden doch die Kühe bestens auch dorthin passen.

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Isch das ds Vroni? von Björn Zryd, Adelboden

Da war doch noch eine kleiner Karton im Schrank meines Gästezimmers in welchem ich die geschnitzten Brienzer-Kühe, Pferd, Geiss und Schafe mit den dazugehörenden Bauern schön sorgefältig in Seidenpapier verpackt hatte.

Spontan wie ich bin, hole ich den Karton aus dem Schrank und beginne auszupacken und WAS finde ich dort in dem Karton? Ich habe heute, fast 14 Monate nach meinem Einzug auch irgendwie meine Liebsten wiedergefunden und dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Ich habe doch gewusst, dass ich die Bilder extra vorsichtig verpackt hatte aber WO, das ist mir einfach nicht eingefallen und umso grösser war meine Freude heute und daher ist es irgendwie eine ENDE GUT geworden……..

herzlichst,

eure Piccolina