Zwei Jahre ist es her … — MODEPRALINE

Zwei Jahre HOFFEN und BANGEN und KÄMPFEN.  Kein Mensch, der diese Situation als Betroffener oder Angehöriger nicht miterlebt hat, weiss nur ansatzweise was das bedeutet.

Vielleicht ist es auch gut, dass niemand weiss was morgen ist. Wünsche euch weiterhin viel Kraft und Mut und eine riesige Portion Glück besonders für den Göttergatten aber auch für das ganze Family-Dreamteam! Nicht aufgeben und auch in der schwierigsten Situation versuchen positiv zu denken! Ich drück euch ganz fest und bin in Gedanken bei EUCH!

 

Der 12. November – es sind zwei Jahre her. Vor zwei Jahren wurde uns von einer Sekunde auf die andere der Boden unter den Füssen weggezogen. Ohne Vorahnung, ohne Vorwarnung, ohne ein sachtes Gespräch wurden wir mit der Krebsdiagnose meines Göttergatten konfrontiert. Auf dem Korridor des Krankenhauses. Der Boden unter den Füssen tat sich auf […]

über Zwei Jahre ist es her … — MODEPRALINE

Krankes Gesundheitssystem — MODEPRALINE

Wie recht du hast Modepraline. Wenn ich damals im Juli 2016 den Wissenstand von heute gehabt hätte … ich wäre bestimmt für meinen Herzmenschen sehr viel kämpferischer gewesen. Im Nachhinein weiss man immer alles besser aber die Diagnose unheilbar und palliativ war ein zu grosser Schock. Unsere Onkologin war trotz allem das BESTE was uns an der ganzen traurigen Geschichte dennoch passiert ist. Er hatte Vertrauen und ich auch und das war sehr hilfreich umso mehr wir keine so tolle kämpferische Familie und Freunde im Rücken hatten wie dein Göttergatte. Alle waren schlichtweg überfordert.
IHR aber, ihr macht das so SUPER und ich wünsche euch viel Kraft und dass es noch sehr lange weitergeht. Ich denke an euch und drück euch ganz fest!

 

Nach zwei Jahren intensivem Lebenskampf an der Seite meines Göttergatten wissen wir eines mit Sicherheit: Unser Gesundheitssystem ist krank, sehr krank! Wenn man von einem Tag auf den anderen auf den Onkoplaneten katapultiert wird, hat man zwei Möglichkeiten: Entweder, man macht sich selber ganz schnell schlau und wird zur Kampfsau an der medizinschen Front … […]

über Krankes Gesundheitssystem — MODEPRALINE

Gedanken zum Muttertag …

Braucht es wirklich einen Muttertag?  Mein Mami war ganz klar der Meinung – nein, einen Muttertag braucht es nicht. Führt euch durchs ganze Jahr so auf, dass ihr am Muttertag nicht mit einer „Hüchlerstude“ antraben müsst – das waren ihre Worte.

Im Grossen und Ganzen haben wir, mein Bruder und ich, uns an diesen Ratschlag gehalten. Muttertags-Blumen habe ich daher meistens gemeinsam mit unserem Mami gekauft und oft waren es die Blumen, die den ganzen Sommer lang, unseren Balkon und unsere Terrasse schmücken durften. Wegen den gefürchteten Eisheiligen, haben wir diese Einkäufe vorzugsweise erst Ende Mai oder Anfangs Juni getätigt. Trotzdem war es eben irgendwie Muttertag.

Schon wieder ist Muttertag, bereits der vierte an welchem unser Mami fehlt.  Gezeichnet von Ihrer Krankheit war ihr Tod vor bald vier Jahren zwar sehr traurig aber doch auch eine Erlösung für unser Mami und auch für uns.

Dass das Schicksal brutal und ungefragt zuschlägt, habe ich in den letzten Jahren mehr als einmal erfahren müssen und dass wir nicht dagegen ankämpfen oder etwas ändern können, das ist mir auch klar geworden.

Ich vermisse mein Mami, meinen lieben Päps und ganz besonders auch meinen geliebten Ehemann … ich vermisse sie an jedem einzelnen Tag. An diesen besonderen Tagen aber, da denke ich besonders stark an sie und trotz der „Längizyt“ verspüre ich diese tiefe Verbundenheit und die grosse Liebe und ich denke mit grosser Dankbarkeit an unsere gemeinsame Zeit zurück. Mein Mami war eben nicht nur mein Mami, sondern auch während ganz vielen Jahren, meine beste Freundin und Vertraute.

Liebes Mami, ich danke dir von ganzem Herzen für ALLES was du für uns gemacht hast, für deine Liebe, dafür dass du immer und überall für uns da warst und uns jederzeit unterstützt hast und mit Rat und Tat zur Seite gestanden bist.

Für uns warst du das allerbeste Mami auf der Welt und in unseren Herzen wirst du immer bei uns bleiben.

Falls DU auch dein Mami vermisst, wünsche ich dir ebenso viel schöne Erinnerungen und liebevolle Gedanken in Dankbarkeit und für diejenigen die den Muttertag mit ihren Müttern verbringen dürfen und können – geniesst es und seid dankbar, dass ihr euch noch habt.

eure nachdenkliche Piccolina

Wie…was…Kochwerkstatt?

Nach 25 gemeinsamen Jahren, haben mein Bruder und meine „neue“ Schwägerin in diesem Sommer geheiratet. Andere feiern nach 25 Jahren die Silberne Hochzeit und wieder andere sind bereits zum zweiten oder dritten mal geschieden. Ich freue mich mit ihnen und für sie. Es ist schön, das unsere, sich im schrumpfen befindende Familie,,, dadurch wieder etwas Verstärkung bekommen hat.

Gestern nun war das lang geplante Fest mit Familie und Freunden angesagt. Die Einladung lautete zu einem kleinen Festli in Tenu leger und locker mit Treffpunkt um halb drei beim Busbahnhof. Vorsichtshalber erkundigte ich mich noch nach dem passenden Schuhwerk, weil ich glaubte wir würden mit dem Bus irgendwohin fahren und vielleicht wandern? Von wegen wandern….. ein paar kleine Insider Infos habe ich doch noch rechtzeitig erhalten.

An unserem Treffpunkt beim Busbahnhof erwartete uns nicht wie man meinen könnte ein Bus, sondern ein Schild mit der Aufschrift KOCHWERKSTATT.

Den Apéro durften wir bei sommerlichen Temperaturen draussen geniessen. Die in verschiedenen Farben verfassten Namensschilder wurden jedem Gast angesteckt. Nach der Begrüssung durch die Gastgeber und den Ausführungen des Geschäftsleiters Christian, war auch dem langsamsten Berner klar, dass wir hier ein tolles 4-Gang Menu geniessen würden. Und dass wir in Gruppen aufgeteilt mitkochen würden.

wp-image-440183402

In der Küche erklärte uns Christian die einzelnen Gänge. Die Aufmerksamkeit war gross, weil noch niemand wusste in welchen Menu-Gang es ihn verdonnern würde.

Ich habe mich gerade selber gefragt, was ich denn gerne machen würde als klar wurde, dass unsere orangen-farbene Gruppe für den Hauptgang verantwortlich war. Ohne zu überlegen habe ich mich mit einem sehr spitzen und scharfen Messer bewaffnet neben dem Fleisch in Position gebracht. Um mich zusammen mit einem, mich um Längen überragenden jungen Mann, an die Hirschentrecôtes zu wagen. Parieren heisst der Fachausdruck für unsere erste Aufgabe. Die Seidenhaut und die Sehnen mussten ganz sorgfältig und sparsam entfernt werden. Es war ein gutes Gefühl endlich wieder mal ein gut geschliffenes Messer in der Hand zu haben. Als Scherenschneiderin hätte ich mancherorts zwar auch lieber mit der Schere zugeschnitten:-)

In der ganzen Küche herrschte ein emsiges Treiben, Gelächter und Geschwätz und die Stimmung konnte besser nicht sein. Nach 3 Minuten, kam aus der Vorspeisengruppe bereits die Frage nach einem Heftpflaster und ich konzentrierte mich noch besser auf meine Hände.

Die Hirschentrecôtes waren fertig pariert, (ich hatte die Ehre das Pièce de résistance zu salzen) in Grillpfannen, mit viel frischem Thymian angebraten und dann zum Niedergaren in den auf 80 Grad vorgeheizten Ofen gegeben. Die geschmacklich wertvollen Rückstände in den Grillpfannen wurden mit Rot- und Süsswein abgelöscht, mit Kalbsglace verlängert und reduziert und mit Holundergelee abgerundet und vor dem Servieren noch mit Butter aufgerührt.

Die humoristische Einlage vom „Rüedu Oppliger vo Zäziwil“ hat viele Lachtränen gefordert und die Stimmung war toll. Zwischenzeitlich bekam ich ein paar Bedenken betreffend der Garstufe unseres Hirsches aber der Christian hat mich beruhigt. Alles war unter Kontrolle.

Das Lokal dieser Kochwerkstatt ist sehr schön eingerichtet, wir haben uns super wohl gefühlt. Mein einziger Wehmutsgedanke wanderte wie immer zu meinem Mann und zu meinen Eltern die bestimmt auch jede Menge Spass und Freude gehabt hätten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass sie in unseren Herzen dabei waren und so auch ein bisschen mitfeiern und geniessen konnten.

Ich habe Bekannte besser kennen gelernt und auch neue Bekanntschaften geschlossen und ich würde sagen, der Abend war ein voller Erfolg. Die Crew der Kochwerkstatt hat uns geführt und ist uns hilfreich zur Seite gestanden und ich kann dieses Erlebnis wärmstens empfehlen.

unser Menu:

Tartar vom geräucherten Stör mit Avocado
Kaviar (Tropenhaus Frutigen)
mit Randenmousse
***
Zander mit Safransauce
Sautierter Fenchel mit Apfelkügeli
***
Hirchentrecôte mit Holunderjus
Kartoffelgratin mit Chili und Peperoni
Gebackene Karotten
***
Käseauswahl
***
Marronimousse mit karamelisierten Zwetschgen
Lauwarmer Schokoladenkuchen

Falls ihr mitgezählt habt, es waren mit der Käseauswahl sogar 5 Gänge und es war ein Gaumenschmaus und ein unvergesslich schönes und gemütliches Erlebnis.

Danke unseren Gastgebern Sonja und Ruedy und ein ganz spezielles Merci für die Kochwerkstatt-Crew unter Christian Thierstein.
In Bern gibt es übrigens unter dem Namen „La table de Urs Hauri“ ein weiteres Lokal mit dem gleichen Konzept.

Schade, dass alleine kochen für nur eine Person nicht auch soviel Spass und Freude macht wie mit dieser tollen Gruppe.

Danke an euch ALLE
eure Piccolina

Ende gut…..

…..ich habe meine Liebsten wieder gefunden.

In der Vergangenheit hatte ich wirklich nicht immer nur Glück, um nicht zu sagen eine längere Pechsträhne. Angefangen hat es vor 11 Jahren als unser lieber Päps nur wenige Wochen nach der Diagnose und doch ganz überraschend gestorben ist. Seine Trauerfeier wäre genau auf meinen 50-igsten Geburtstag gefallen. Es war auch so schon schwierig genug und so entschieden wir im Familienrat die Trauerfeier auf den Tag nach meinem Geburtstag zu verschieben.

Im Juli 2014 ist unser Mami von seiner langen, mit sehr viel Geduld ertragenen Krankheit erlöst worden. Ich pflege zu sagen, mein Mami sei 2 mal gestorben, einmal durch die fortgeschrittenen Demenz welche zu Parkinson dazu kam und dann nochmals an einem schönen warmen Julitag 2014.

Dass Eltern sterben ist eigentlich der normale Lauf des Lebens aber nur zwei Jahre später musste ich auch von meinem geliebten Ehemann Abschied nehmen. Es war schrecklich und ich frage mich oft, wie ich das überhaupt bis heute alles geschafft habe. Wir, mein Mann und ich hatten noch so viele Pläne für das Leben, für unser Leben nach all den traurigen Erlebnissen. Ein Leben im Greyerzerland war schon lange unser Traum und ich habe ihm versprochen, dass wir spätestens zu seiner Pensionierung unser neues Leben beginnen würden.

All unsere Träume und Pläne sind durch seine Krankheit und seinen viel zu frühen Tod geplatzt und nur 10 Tage nach seinem Tod konnte/musste ich die Schlüssel für unser neues Zuhause im Greyerzerland in Empfang nehmen. Mein Bruder hat mich bei diesem schweren Gang begleitet. Es war sehr traurig und trotzdem habe ich sofort gespürt, dass meine Entscheidung an unseren Plänen festzuhalten die Richtige war und ich habe es bisher nicht eine einzige Sekunde bereut.

Nur wenige Tag nach der Trauerfeier für meinen Mann begann das grosse Räumen. Ich empfand es trotz den erschwerten Umständen für befreiend und konnte mich ohne Probleme von fast Allem trennen. Eine grosse Mulde wurde vorgefahren und ich begann im wahrsten Sinne des Wortes Ballast abzuwerfen und mich frei zu schaufeln. Wer auch schon mal nach 37 Jahren umgezogen ist, weiss wovon ich hier schreibe.

In der neuen Wohnung und in der neuen Umgebung habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt und die Kartons welche ich mitgenommen hatte, waren schnell ausgepackt und alles direkt am richtigen Ort verstaut. Abgesehen von meinen Liebsten habe ich nichts vermisst und doch war da noch etwas, was ich einfach nicht mehr gefunden habe.

Es waren zwei Fotos meiner Eltern und das Foto von meinem bereits erkrankten Mann welches wir in der Kirche bei der Trauerfeier aufgestellt hatten. Immer wieder habe ich überlegt wo die Bilder wohl sein könnten, wo sie gelandet sind.

Eine liebe Freundin kam heute zu Besuch und irgendwie sprachen wir über unsere Küchen. Meine Küche ist eigentlich ein Traum und abgesehen von der Höhe der Arbeitsfläche und der Schränke gibt es da gar nichts zu beanstanden. Das Problem mit der Höhe ist auch nicht wirklich das Problem der Küche sondern eher das Problem meiner Körpergrösse von nur ca. 1.50m. Ein Wort ergab das andere und ich hatte ganz plötzlich die Idee ich könnte doch meine Brienzer Kühe auf die Küchen-Obschränke stellen. Da es in meinem Wohnzimmer bereits ein wunderschönes Kuh-Bild von Björn Zryd aus Adelboden gibt, würden doch die Kühe bestens auch dorthin passen.

20161126_134943
Isch das ds Vroni? von Björn Zryd, Adelboden

Da war doch noch eine kleiner Karton im Schrank meines Gästezimmers in welchem ich die geschnitzten Brienzer-Kühe, Pferd, Geiss und Schafe mit den dazugehörenden Bauern schön sorgefältig in Seidenpapier verpackt hatte.

Spontan wie ich bin, hole ich den Karton aus dem Schrank und beginne auszupacken und WAS finde ich dort in dem Karton? Ich habe heute, fast 14 Monate nach meinem Einzug auch irgendwie meine Liebsten wiedergefunden und dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Ich habe doch gewusst, dass ich die Bilder extra vorsichtig verpackt hatte aber WO, das ist mir einfach nicht eingefallen und umso grösser war meine Freude heute und daher ist es irgendwie eine ENDE GUT geworden……..

herzlichst,

eure Piccolina