Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Es war mir klar, dass ich nicht die Einzige bin die solch traurige Begegnungen zu meistern hat.  Passend zu meinem Blog-Beitrag Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen … möchte ich hier den heutigen Beitrag von Flohnmobil aufschalten.

Meine Liebe – es tut mir sehr leid, dass du das auch erleben musst. Nebst meiner unvergesslichen Begegnung auf dem Friedhof, haben mir netterweise zwei geschiedene Damen trostspendend aber unabhängig voneinander folgendes gesagt: sei „FROH“ ist dein Mann gestorben und ist er nicht mit einer ANDEREN auf und davon, so weisst du wenigstens WO ER IST! Wie kann man resp. Frau nur so gefühls- und respektlos sein – ich kann das einfach nicht verstehen.

Viel Kraft weiterhin liebe Frau Flohnmobil.

Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, wohnt sie doch seit einigen Jahren in unserer Überbauung. Ich habe sie einfach noch nie getroffen. Der Zufall jedoch wollte es, dass wir uns in den vergangenen Monaten mehrmals über den Weg liefen. Das letzte Mal sahen wir uns auf einer gemeinsamen Zugsfahrt nach Zürich. Wir wissen wenig von einander. Die […]

über Schweigen wäre Gold gewesen — Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen …

Die richtigen Worte … warum ist es so unglaublich schwer, die richtigen Worte zu finden? Falls man das wirklich nicht schafft, wäre NICHTS sagen doch auch eine Lösung. Obwohl, NICHTS sagen kann für den Nicht-Gesprächspartner noch schlimmer sein.  Wenn die richtigen Worte fehlen, fühlt man dann möglicherweise auch NICHTS! Oder es gäbe doch noch die Möglichkeit einer stillen aber ehrlichen und gutgemeinten Umarmung mit den Worten: es tut mir leid, mir fehlen die Worte oder ich weiss nicht was ich sagen soll?

Ist das so schwer?

Zwei Tage nach der Trauerfeier für meinen Mann hatte ich folgende unvergessliche Begegnung:

Auf dem Weg zum Friedhof traf ich auf eine Dorfbewohnerin. Sie war zwar ebenso wenig wie ich „echte Einheimische“, das kann man aus eigener Kraft wohl nicht werden. Man ist nur „echt“ durch die Geburt und auch das müsste wohl auch schon seit mehreren Generationen so sein. Meine 37 Jahre Wohnsitz konnten an meinem Fremdkörpergefühl nichts ändern.

An dem kleinen Weg zur Kirche trafen wir aufeinander, sie MIT und ich OHNE Giesskanne. Wir begrüssten uns mit einem Wort und nahmen den Weg zur Kirche unter die Füsse. Gehst du auch Blumen giessen, fragte sie mich. Wie erwähnt hatte ich keine Giesskanne bei mir, wonach hat es also ausgesehen? Sie hatte, wie man es vielleicht hätte erwarten können, kein Wort des Trostes oder des Mitgefüehls zum Tod meines Mannes ausgesprochen. Das dies schwierig oder sogar unmöglich war, hatte ich in den Tagen nach seinem Tode bereits mehrmals erfahren, sogar auf der lokalen Behörde wo ich ein Namenschild für das Gemeinschaftsgrab bestellen musste.

Doch zurück zu der Frau mit der Giesskanne. Ihre Frage nach dem Grund meines Besuches, beantwortete ich mit aufsteigenden Tränen in meinen Augen. Nein, ich gehe nicht giessen, vorgestern war die Abdankung für meinen verstorbenen Mann und ich wollte einfach kurz zum Gemeinschaftsgrab wo die Asche meines Mannes lag.  Wie aus der Pistole geschossen kam auch schon ihre Antwort. Ich höre diese Worte noch so sehr in meinem Innern, es war als ob mir jemand ein Messer in mein tief trauriges Herz gestossen hätte.

Ich übersetze ihre Aussage wortwörtlich aus dem Nicht-Einheimischen-Dialekt:

Ach ja genau, habe ich gelesen.  Jetzt hast du so lange KEINEN gehabt, im ALTER doch noch EINEN gefunden und nun ist DER schon gestorben, das ist schon KRASS.

Ich war sprachlos, das gibt’s relativ selten bis nie aber in diesem Moment fehlten mir jegliche Worte.

Was um Himmel’s Willen sollte das? Wie konnte man bloss so unsensibel oder so taktlos sein?  Und ich schwöre euch, ich habe meine Hörgeräte getragen und ich habe jede einzelne Silbe korrekt verstanden. Diese Worte sind unvergesslich geblieben und ich hätte mir damals gewünscht, dass der Boden neben dem Grab aufgehen würde und ich darin versinken könnte. Leider war es nicht so. Ich habe mich neben dem Grab niedergekniet und verfiel für ein paar Minuten in Schockstarre.  So ganz aufgewacht bin ich aus diesem Schock bis heute nicht und immer und immer wieder kommt mir diese Aussage in den Sinn.

Vor zwei Tagen war ich auf demselben Friedhof an einer Abdankung einer „echten Eingeborenen“. Ich habe für meinen Mann und meine Eltern eine Kerze angezündet und der Laternenkerze mittels neuen Batterien Leben eingehaucht und dabei hörte ich immer und immer wieder diese Stimme und diese Worte.  Warum ich damals nicht sofort reagiert habe weiss ich nicht. Jetzt aber, werde ich diese Geschichte ausdrucken und per Post an die richtige Adresse schicken – so quasi eine Adventsgeschichte der besonderen Art.

Reden ist SILBER – Schweigen ist GOLD!

Ich wünsche euch allen eine friedliche und besinnliche Adventszeit

eure Piccolina

Freitag 13. Oktober 2017

Keine Angst, keine Geschichte über Aberglaube oder Unglaubliches. Obwohl… so ganz normal scheint mir dieser Freitag der 13. Oktober 2017 doch nicht zu sein. Es ist etwa noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang und ich sitze in leichtester Sommermontur auf meiner Terrasse. Mit zusammengekniffenen Augen, weil ich mit der Sonnenbrille auf dem Bildschirm noch weniger erkennen kann. Das Thermometer steht im Schatten und zeigt gerade 24,7 Grad an. Und das soll normal sein? Ich kann mich nicht erinnern je einen solche schönen Sommer und Herbst bewusst erlebt zu haben.

Sicher….. schönes Wetter, stahlblauer Himmel und herbstliche Bäume in allen Farben das gibt es ja glücklicherweise jedes Jahr. Letztes Jahr war mein erster Herbst hier im Greyerzerland aber da habe ich vieles noch anders empfinden. Nun aber, der Herbst 2017 ist sowas von schön! Es rührt mich auch öfters mal zu Tränen. Tränen weil ich dann meinen Mann vermisse und traurig bin, weil wir das nicht mehr zusammen erleben und geniessen dürfen. Ein paar Minuten später wechselt diese Trauer dann aber zu einer unbeschreiblichen Dankbarkeit, dass ich das erleben darf und ich geniesse jeden einzelnen Tag. Da die Zeit mit meinem Geburtstag zusammenfällt, habe ich noch mehr Besuch als sonst und so bin ich fast jeden Tag irgendwo unterwegs und ich kann nicht genug davon bekommen von diesem grün-gelb-rot Tönen des Waldes und im Gegensatz dazu das Blau des Himmels und des Wassers. Da es hier viel mehr Laubwald hat als auf 1’250 m ü. M ist alles viel intensiver.

Die vielen Begegnungen mit meinen Freunden von früher und all meinen neuen Freunden aus meinem neuen Leben hier sind so unglaublich wertvoll und ich schätze mich sehr glücklich und bin dankbar für jede einzelne Begegnung.

Und jeder, wirklich jeder Besucher hat ganz plötzlich vollstes Verständnis für unsere, resp. meine Entscheidung hierher zu ziehen. Auch all diejenigen, die es bisher nicht verstehen konnten und sehr skeptisch waren. Das ist ein ganz wundervolles Gefühl und macht alles noch besser. So empfinde ich diesen Freitag 13. Oktober mit sommerlichen Temperaturen als grosses Glück und freue mich, dass noch ein paar solche Tage angesagt sind und ich werde jeden einzelnen geniessen….. ganz bewusst geniessen.

Nach der Diagnose meines Mannes ist unsere Welt und all unsere Träume innert Minuten zu einem Albtraum geworden. Ich empfand weder Freude noch Trauer, keine Lust und Motivation einfach nur noch blanke ANGST. Oft habe ich gedacht und auch gesagt ich würde das allein niemals schaffen und er hat mir immer gesagt ich würde die Kraft bekommen um weiterzumachen. Geglaubt habe ich ihm damals nicht. Nur gehofft, dass er recht haben möge und es ist wirklich so …… das einzige was ich seit seinem Tode nicht mehr habe ist ANGST. Das Schlimmste was ich befürchtet habe ist eingetroffen, ich habe den liebsten und wichtigsten Menschen verloren. Es gibt keinen Grund mehr Angst zu haben und jetzt sind alle anderen Gefühle wie mir scheint umso stärker zurückgekommen und dazu gehört auch die Freude an so einem wunderschönen Freitag den 13-ten!

Ein paar Sekunden nach der niederschmetternden Diagnose hat Gino zu mir und zum Arzt gesagt: es gibt kein glückliches Leben, es gibt nur glückliche Momente im Leben. Er hat versucht uns das zu erklären und ich habe ebenso versucht es zu verstehen. Damals ist es mir nicht wirklich gelungen. Heute weiss ich, was er damit gemeint hat und daher ist der heutige Freitag der 13. für mich auf jeden Fall ein Glückstag.

viel Glück für euch alle

eure Piccolina

Spüren und Fühlen….

Ist jetzt nicht Herbst? Ich habe gemeint oder gehofft im Herbst ist es nicht mehr heiss? Na ja, auf jeden Fall ist es heute sommerlich warm und trotzdem habe ich mir fest vorgenommen zu arbeiten. Es muss jetzt einfach sein, ich kann nicht mehr länger auf die Abkühlung des Herbstes warten. Leider lässt auch meine Motivation auf sich warten obwohl sie sich das gar nicht leisten kann. Wir, meine Motivation und ich sind nämlich jetzt gefordert etwas zu tun und zwar besser ganz schnell. Mehr dazu ein anderes mal.

Meine angekratzte und infolge Hochsommerlicher Temperatur erhitzte Tagesform erfuhr Rettung dank einer spontanen Nachricht auf meinem Handy. Spontan entwickelte sich unsere Unterhaltung zu einer aufschlussreichen Diskussion über Spiritualität und andere „Gspürschmi“ Erfahrungen. In der Folge hat die modepraline auch innerhalb weniger Minuten gleich einen Blog geschrieben und veröffentlicht. Wir haben sogleich festgestellt, dass wir beide das genau gleich empfinden resp. eher nicht empfinden. Danke Modepraline für deinen Beitrag, besser kann man das nicht schreiben!

Es ist ja nicht so, dass ich NICHTS spüren würde. Ich befinde mich ja tagtäglich in einem Wechselbad der Gefühle wie Trauer, „Längizyt“, Sehnsucht, Angst, Freude, Motivation oder eben auch mal Nullbock-Stimmung und nicht zu vergessen Hunger und Durst.

Ob ich denn mal Bäume anschreien werde, weiss ich im Moment nicht so genau aber ich bin gerade dabei, meine „Gsprüschmi“ Erfahrungen auf einer anderen Ebene zu machen. Seit vier Wochen besuche ich einen Taichi/Chigong Kurs. Es soll gut sein zum runterfahren, zum sich selber spüren, zum Kraft tanken und vielem mehr. Zusammen mit einer Freundin aus meiner Jugendzeit, besuche ich nun also diesen Kurs wohlverstanden in französischer Sprache. Ich geb’s ja zu, ich hab auch schon mal meine Hörgeräte vergessen und dachte, dass sei der Ursprung meines Nichtverstehens, meines Nichtspürens. Aber auch mit Hörgeräten geht es nicht wirklich besser. Ganz sicher ist es auch die französische Sprache deren ich nicht vollständig mächtig bin. Aber es ist nicht nur das….. es ist einfach nicht da….dieses Gefühl, dieses Spüren was unsere Lehrerin uns auf so herzliche Art vermitteln will. Sie lebt dieses Gefühl sicher auch im Alltag und auch einige der anderen Teilnehmer scheinen sofort irgendwie abzutauchen. Ich aber, habe schon grosse Mühe mit der Langsamkeit und spüren…… nein ich spüre wirklich nichts dabei.

Meine Gedanken machen derweilen „Fangis“ oder „Seilgumpen“, ich denke an gestern, an morgen, an die Vergangenheit und auch an die Zukunft und alles was ich empfinde steht irgendwie in direktem Zusammenhang mit eben diesen Gedanken. Abschalten lassen sie sich nicht wirklich erfolgreich oder immer nur für ein paar Sekunden.. Also weiter im Zeitlupen-Karrusell Taichi-Chigong. Wenigstens sind wir eine gute und lustige Gruppe von 10 Frauen und 2 Männern und das Ganze soll ja auch einen gewissen Spassfaktor haben. Ich betrachte es nun einfach als Gymnastik in Zeitlupe. Nicht mehr und nicht weniger. Nach jedem Kurs freue ich mich aber schon sehr auf meine Zumba Gold Stunde welche jeweils am Montags stattfindet. Mit lauter und fetziger Musik und sehr viel Bewegung und ohne Zeit zum denken. Für mich ist das Spüren, Entspannung und Kraft tanken in einem und wenn gar nichts mehr hilft werde ich zusammen mit meiner lieben Freundin doch mal die kleinen Bäumchen anschreien gehen.

bis dahin….. euer NICHT (G)spürloses Landei Piccolina