Freitag 13. Oktober 2017

Keine Angst, keine Geschichte über Aberglaube oder Unglaubliches. Obwohl… so ganz normal scheint mir dieser Freitag der 13. Oktober 2017 doch nicht zu sein. Es ist etwa noch eine Stunde bis zum Sonnenuntergang und ich sitze in leichtester Sommermontur auf meiner Terrasse. Mit zusammengekniffenen Augen, weil ich mit der Sonnenbrille auf dem Bildschirm noch weniger erkennen kann. Das Thermometer steht im Schatten und zeigt gerade 24,7 Grad an. Und das soll normal sein? Ich kann mich nicht erinnern je einen solche schönen Sommer und Herbst bewusst erlebt zu haben.

Sicher….. schönes Wetter, stahlblauer Himmel und herbstliche Bäume in allen Farben das gibt es ja glücklicherweise jedes Jahr. Letztes Jahr war mein erster Herbst hier im Greyerzerland aber da habe ich vieles noch anders empfinden. Nun aber, der Herbst 2017 ist sowas von schön! Es rührt mich auch öfters mal zu Tränen. Tränen weil ich dann meinen Mann vermisse und traurig bin, weil wir das nicht mehr zusammen erleben und geniessen dürfen. Ein paar Minuten später wechselt diese Trauer dann aber zu einer unbeschreiblichen Dankbarkeit, dass ich das erleben darf und ich geniesse jeden einzelnen Tag. Da die Zeit mit meinem Geburtstag zusammenfällt, habe ich noch mehr Besuch als sonst und so bin ich fast jeden Tag irgendwo unterwegs und ich kann nicht genug davon bekommen von diesem grün-gelb-rot Tönen des Waldes und im Gegensatz dazu das Blau des Himmels und des Wassers. Da es hier viel mehr Laubwald hat als auf 1’250 m ü. M ist alles viel intensiver.

Die vielen Begegnungen mit meinen Freunden von früher und all meinen neuen Freunden aus meinem neuen Leben hier sind so unglaublich wertvoll und ich schätze mich sehr glücklich und bin dankbar für jede einzelne Begegnung.

Und jeder, wirklich jeder Besucher hat ganz plötzlich vollstes Verständnis für unsere, resp. meine Entscheidung hierher zu ziehen. Auch all diejenigen, die es bisher nicht verstehen konnten und sehr skeptisch waren. Das ist ein ganz wundervolles Gefühl und macht alles noch besser. So empfinde ich diesen Freitag 13. Oktober mit sommerlichen Temperaturen als grosses Glück und freue mich, dass noch ein paar solche Tage angesagt sind und ich werde jeden einzelnen geniessen….. ganz bewusst geniessen.

Nach der Diagnose meines Mannes ist unsere Welt und all unsere Träume innert Minuten zu einem Albtraum geworden. Ich empfand weder Freude noch Trauer, keine Lust und Motivation einfach nur noch blanke ANGST. Oft habe ich gedacht und auch gesagt ich würde das allein niemals schaffen und er hat mir immer gesagt ich würde die Kraft bekommen um weiterzumachen. Geglaubt habe ich ihm damals nicht. Nur gehofft, dass er recht haben möge und es ist wirklich so …… das einzige was ich seit seinem Tode nicht mehr habe ist ANGST. Das Schlimmste was ich befürchtet habe ist eingetroffen, ich habe den liebsten und wichtigsten Menschen verloren. Es gibt keinen Grund mehr Angst zu haben und jetzt sind alle anderen Gefühle wie mir scheint umso stärker zurückgekommen und dazu gehört auch die Freude an so einem wunderschönen Freitag den 13-ten!

Ein paar Sekunden nach der niederschmetternden Diagnose hat Gino zu mir und zum Arzt gesagt: es gibt kein glückliches Leben, es gibt nur glückliche Momente im Leben. Er hat versucht uns das zu erklären und ich habe ebenso versucht es zu verstehen. Damals ist es mir nicht wirklich gelungen. Heute weiss ich, was er damit gemeint hat und daher ist der heutige Freitag der 13. für mich auf jeden Fall ein Glückstag.

viel Glück für euch alle

eure Piccolina

Morgenrot – schlecht Wetter droht….

…..das ist wohl eine der bekanntesten Bauernregeln und wahrscheinlich auch dienjenige mit der höchsten Trefferquote.

Trotzdem freuen wir uns nicht nur über das vielversprechende Abendrot welches auf gutes Wetter hindeutet sondern auch Morgenrot ist wunderschön anzusehen. Was die Bauernregel besagt ist nur wenige Stunden später eingetroffen. Starke Winde und ein schöner Landregen (wenigstens hier war es so).

Ich bin eine Frühaufsteherin und ein Spätschläferin und kann daher alle Wetterzeichen verfolgen. Genau so, wie ich die verschiedenen Tageszeiten mit ihren Vor- und Nachteilen mag, genau so gerne mag ich unsere 4-Jahreszeiten. Für mich persönlich war dieser Sommer wirklich heiss genug und umso mehr freue ich mich auf den Herbst, welcher nun fast von einem Tag auf den anderen eingetroffen ist. Seit meinem Umzug ins Greyerzerland ist glücklicherweise auch der Föhn kein Thema mehr und genauer betrachtet hatte ich seither nur noch sehr selten Kopfschmerzen.

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Aufnahme von meiner Nachbarin Silvia – DANKE!

Richtig stürmisch war es hier heute morgen und ich habe meine Balkonpflanzen auf ihren Rolli’s in ein vorübergehendes und windgeschütztes Quartier gebracht. Es war auch der richtige Moment um das Katzennetz von all den Ranken und Schlingen der verblühten schwarzäugigen Susanne zu befreien. Nur mein Hochbeet mit Salat und Schnittlauch (ich laufe also nicht in Gefahr den bei Coop angebotenen Schnittlauf aus KENIA kaufen zu müssen) steht noch im Regen.

Ich liebe diese Stimmung wenn es dunkel ist, die Wolkendecke tief hängt und ich endlich mit ruhigem Gewissen wieder mal eine ganzen Tag nicht raus muss.

Es ist ein Privileg nicht raus zu müssen und meine Gedanken sind bei all den Bauern auf den Alpen und im Tal, all die Menschen auf den Baustellen, auf Dächern und Strassen, die Gärtner und alle die, welche einfach keine Wahl haben an solchen Tagen.

Ich denke an die Menschen, die ihr ganzes Hab und Gut und sogar ihr Leben verloren haben beim Bergsturz in Bondo, an meine Freunde die in Texas wohnen und schlimmste Zerstörung durch den Orkan Harvey erlitten haben, oder all die Menschen deren Heimat durch den Orkan Irma zerstört wurden. Hierzulande jammern wir doch wirklich meistens auf höchstem Niveau.

Darum geniessen wir doch diese ruhigen oder auch stürmischen, nassen und trüben Tage. Es gibt echt keinen Grund zum sich über den, durch schönes Morgenrot angekündigten Wetterwechsel, zu klagen.

vom winde verweht…

eure Piccolina