Ausgekocht – Ende Feuer …

Es gab Zeiten, da habe ich sehr gerne gekocht. Zusammen mit meiner Mutter, für meine Eltern, für Gäste und später zusammen mit meinem Mann. Er war gelernter Koch und obwohl er schon lange nicht mehr in der Küche gearbeitet hat, war er ein leidenschaftlicher Koch und wir verbrachten unzählige Stunden zusammen in der Küche.  Zugegeben … manchmal wurde ich der Küche verwiesen, weil ich es als Laie nicht lassen konnte, dem Profi reinzureden oder immer wieder zu fragen, WARUM oder WARUM NICHT?

Nach dem Tode meines Mannes wurde es schwierig. SEHR schwierig! Ich liebe meine schöne Küche aber kochen, nein kochen mag ich gar nicht mehr. Schon das Einkaufen ist für mich immer eine Qual, weil ich von dem ganzen Überangebot in den Läden überfordert bin und mich irgendwie nie entscheiden kann. (Zu diesem Thema passt auch dieser frühere Beitrag). Oft kaufe ich ein und zuhause mag ich es kaum mehr ansehen, nicht kochen und schon gar nicht mehr essen. Wenn ich früher meiner Mutter eine Freude machen wollte, gab’s bei uns zum „Znacht“, Café complet. Brot, Butter, selbstgemachte Confi (das ist ein MUSS) und etwas Käse oder mal eine Scheibe kaltes Fleisch. Vielleicht mal ein Joghurt oder Früchte oder Gemüse-Rohkost. Oder auch mal ein Früchtekuchen oder ein Birchermüesli.

Alleine zu kochen finde ich schrecklich und noch viel schlimmer ist das alleine am grossen Tisch sitzen und essen. Also gehe ich öfters ins Restaurant. Ich kenne nach zwei Jahren fast jedes Restaurant in der Gegend und bin abgesehen von einem einzigen Mal, ausgerechnet an meinem 60 Geburtstag, immer zufrieden gewesen. Sicher, es gab Highlights und auch nur Nahrungszufuhr ohne speziellen Genuss aber ich schaffe es locker, in jedes noch so gute Restaurant, allein essen zu gehen.

Meine Essensvorräte zuhause sind aber immer noch vorhanden und ab und zu komme ich leider auch in Versuchung noch etwas dazu zu kaufen. Man kann ja nie wissen 😉

Heute war nun wieder mal genau so ein Tag. Ich wollte einfach nur zuhause bleiben und ein paar Stunden zügig arbeiten um einen Auftrag fertig zu machen. Also ein Blick in meinen kleinen, mehrheitlich mit selbstgemachter Confi ausgestatteten Mini-Tiefkühler. Ein halbes Schweinsfilet und Blattspinat war noch da und sollten weg.  Irgendwann war ich wohl auch wieder mal schwach geworden und habe mich von einem Paket  GOURMET-Kartoffelpüree mit Steinpilzen um den Finger wickeln lassen.

Was ich jetzt nach diesem Kochen resp. Essen ganz sicher weiss … NIE MEHR! Das BESTE war meine selbstgemachte Sauce mit den wirklichen getrockneten Steinpilzen. Das Schweinfilet war …. na ja und Blattspinat mag ich definitiv nicht mehr.  Aber dieses GOURMET-Kartoffelpüree – kurz gesagt UNGENIESSBAR.  Vier Pfannen zum Putzen und auch noch ein verspritzter Herd für diesen „Schlangenfrass“.  NIE WIEDER!  Ehrlich, wer um Himmels Willen kann diese Pappe essen?  Ich bin mir sicher, eine gestampfte Kartonschachtel wäre geschmacklich nicht minderwertiger gewesen.

Kurz und gut, ENDE FEUER – ausgekocht. Bei mir gibt’s höchstens noch Eintöpfe, Suppen in allen Variationen, etwas Feines vom Grill, ein Ofen- oder  Wok-Gericht, eine Paella und ganz viel kalte Küche inkl. Café complet.

Den Rest überlasse ich mit Freuden den leidenschaftlichen Köchen in all den tollen Restaurants, welche ich immer wieder gerne besuche. Meine Kochleidenschaft hat endgültig ausgelitten.

Ich kenne ein paar wirklich gute Adressen! Falls also jemand von euch mal Lust hat Essen zu gehen, meldet euch doch einfach :-))

eure ausgekochte Piccolina 🙂

Wie…was…Kochwerkstatt?

Nach 25 gemeinsamen Jahren, haben mein Bruder und meine „neue“ Schwägerin in diesem Sommer geheiratet. Andere feiern nach 25 Jahren die Silberne Hochzeit und wieder andere sind bereits zum zweiten oder dritten mal geschieden. Ich freue mich mit ihnen und für sie. Es ist schön, das unsere, sich im schrumpfen befindende Familie,,, dadurch wieder etwas Verstärkung bekommen hat.

Gestern nun war das lang geplante Fest mit Familie und Freunden angesagt. Die Einladung lautete zu einem kleinen Festli in Tenu leger und locker mit Treffpunkt um halb drei beim Busbahnhof. Vorsichtshalber erkundigte ich mich noch nach dem passenden Schuhwerk, weil ich glaubte wir würden mit dem Bus irgendwohin fahren und vielleicht wandern? Von wegen wandern….. ein paar kleine Insider Infos habe ich doch noch rechtzeitig erhalten.

An unserem Treffpunkt beim Busbahnhof erwartete uns nicht wie man meinen könnte ein Bus, sondern ein Schild mit der Aufschrift KOCHWERKSTATT.

Den Apéro durften wir bei sommerlichen Temperaturen draussen geniessen. Die in verschiedenen Farben verfassten Namensschilder wurden jedem Gast angesteckt. Nach der Begrüssung durch die Gastgeber und den Ausführungen des Geschäftsleiters Christian, war auch dem langsamsten Berner klar, dass wir hier ein tolles 4-Gang Menu geniessen würden. Und dass wir in Gruppen aufgeteilt mitkochen würden.

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In der Küche erklärte uns Christian die einzelnen Gänge. Die Aufmerksamkeit war gross, weil noch niemand wusste in welchen Menu-Gang es ihn verdonnern würde.

Ich habe mich gerade selber gefragt, was ich denn gerne machen würde als klar wurde, dass unsere orangen-farbene Gruppe für den Hauptgang verantwortlich war. Ohne zu überlegen habe ich mich mit einem sehr spitzen und scharfen Messer bewaffnet neben dem Fleisch in Position gebracht. Um mich zusammen mit einem, mich um Längen überragenden jungen Mann, an die Hirschentrecôtes zu wagen. Parieren heisst der Fachausdruck für unsere erste Aufgabe. Die Seidenhaut und die Sehnen mussten ganz sorgfältig und sparsam entfernt werden. Es war ein gutes Gefühl endlich wieder mal ein gut geschliffenes Messer in der Hand zu haben. Als Scherenschneiderin hätte ich mancherorts zwar auch lieber mit der Schere zugeschnitten:-)

In der ganzen Küche herrschte ein emsiges Treiben, Gelächter und Geschwätz und die Stimmung konnte besser nicht sein. Nach 3 Minuten, kam aus der Vorspeisengruppe bereits die Frage nach einem Heftpflaster und ich konzentrierte mich noch besser auf meine Hände.

Die Hirschentrecôtes waren fertig pariert, (ich hatte die Ehre das Pièce de résistance zu salzen) in Grillpfannen, mit viel frischem Thymian angebraten und dann zum Niedergaren in den auf 80 Grad vorgeheizten Ofen gegeben. Die geschmacklich wertvollen Rückstände in den Grillpfannen wurden mit Rot- und Süsswein abgelöscht, mit Kalbsglace verlängert und reduziert und mit Holundergelee abgerundet und vor dem Servieren noch mit Butter aufgerührt.

Die humoristische Einlage vom „Rüedu Oppliger vo Zäziwil“ hat viele Lachtränen gefordert und die Stimmung war toll. Zwischenzeitlich bekam ich ein paar Bedenken betreffend der Garstufe unseres Hirsches aber der Christian hat mich beruhigt. Alles war unter Kontrolle.

Das Lokal dieser Kochwerkstatt ist sehr schön eingerichtet, wir haben uns super wohl gefühlt. Mein einziger Wehmutsgedanke wanderte wie immer zu meinem Mann und zu meinen Eltern die bestimmt auch jede Menge Spass und Freude gehabt hätten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass sie in unseren Herzen dabei waren und so auch ein bisschen mitfeiern und geniessen konnten.

Ich habe Bekannte besser kennen gelernt und auch neue Bekanntschaften geschlossen und ich würde sagen, der Abend war ein voller Erfolg. Die Crew der Kochwerkstatt hat uns geführt und ist uns hilfreich zur Seite gestanden und ich kann dieses Erlebnis wärmstens empfehlen.

unser Menu:

Tartar vom geräucherten Stör mit Avocado
Kaviar (Tropenhaus Frutigen)
mit Randenmousse
***
Zander mit Safransauce
Sautierter Fenchel mit Apfelkügeli
***
Hirchentrecôte mit Holunderjus
Kartoffelgratin mit Chili und Peperoni
Gebackene Karotten
***
Käseauswahl
***
Marronimousse mit karamelisierten Zwetschgen
Lauwarmer Schokoladenkuchen

Falls ihr mitgezählt habt, es waren mit der Käseauswahl sogar 5 Gänge und es war ein Gaumenschmaus und ein unvergesslich schönes und gemütliches Erlebnis.

Danke unseren Gastgebern Sonja und Ruedy und ein ganz spezielles Merci für die Kochwerkstatt-Crew unter Christian Thierstein.
In Bern gibt es übrigens unter dem Namen „La table de Urs Hauri“ ein weiteres Lokal mit dem gleichen Konzept.

Schade, dass alleine kochen für nur eine Person nicht auch soviel Spass und Freude macht wie mit dieser tollen Gruppe.

Danke an euch ALLE
eure Piccolina

Grosseinkauf als Single….

Zwar gehe ich nicht ungerne „lädele“ aber einkaufen ist gar nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Früher war alles viel einfacher, meistens war mein Mann dabei und wir haben vor Ort unsere wunderbar schmeckenden Menu’s komponiert und uns an den Auslagen erfreut bis uns das Wasser im Munde zusammengelaufen ist. Heute, gut 15 Monate nach dem Tode meines Mannes (er war gelernter und leidenschaftlicher Koch und Gastgeber) ist das alles ganz anders. Das Wasser läuft mir nicht mehr im Mund zusammen, sondern sucht sich beim einkaufen noch regelmässig einen Weg durch meine Tränenkanäle. Beim einen Grossverteiler beginnt das im letzten Drittel und beim anderen ist es bereits im ersten Drittel, daher meide ich diesen normalerweise.

Ich schlängle mich seither im Alleingang mit meinem Einkaufszettel ausgerüstet, meistens recht zielstrebig durch die Gänge und nehme mir aus den Regalen was ich aufgeschrieben habe. Nach der Hälfte fühle ich mich schon erschlagen. Überfordert von all dem Überangebot und ich frage mich immer wieder, wer das alles jemals überhaupt kaufen, testen und schlussendlich auch essen kann oder wird. Jedes mal frage ich mich z.B. warum es soooo viele Sorten Joghurt gibt. Rechtsdrehend, linksdrehend oder weiss der Kuckuck was der Unterschied sein soll. Für mich ist und bleibt Vanille eben Vanille und da ich Vanille gar nicht mag, fällt mir diese Wahl wenigstens sehr leicht.

Gemüse und Früchte ist da schon schwieriger. Es gibt von allem zu jeder Jahreszeit und ich kann mich nicht entscheiden, kaufe dann mehrere Sorten und schaffe es nicht alles zu essen. Fisch, Meerestiere, Muscheln ….. wie sehr haben wir das geliebt und mein Mann hat das alles wunderbar zubereitet. Spätestens hier kämpfe ich jeweils mit den Tränen und verziehe mich dann zur Kasse. Brot kaufe ich fast nie mehr oder dann beim richtigen Bäcker und auch für das Fleisch und für den Käse gehe ich lieber ins benachbarten Dorf zum Detaillisten. Gemüse und Früchte kaufe ich gerne auf dem Wochenmarkt weil ich da auch ein Einzelstück kaufen kann und irgendwie das Gefühl habe, das sei das „glücklichere“ Gemüse als das in Plastik eingeschweisste.

Da ich gerne Saisongerechte Küche mag, hatte ich gestern plötzlich Lust auf Gemüsesuppe. Markt ist erst am Donnerstag, also blieb mir keine andere Wahl. Für eine Person ist das echt schwierig weil ich diese bereits abgepackten Suppengemüse finde ich schrecklich. So sieht es nun also aus in meinem Gemüsefach und jetzt ist es wieder sonnig uns warm und die Lust auf Gemüsesuppe ist irgendwo abgetaucht.

Gemüsefach

Auf meinem Zettel stand auch noch Katzensand und Katzenfutter und natürlich habe ich auch noch ein kleines Extra gekauft für meine Mitbewohner. Einen Essteppich:-) Nein, sie essen nicht direkt vom Teppich aber ihre Schälchen bleiben standhaft.Essteppich

Der Teppich wurde für gut befunden und akzeptiert, also hat sich der Aufwand mit dem Grosseinkauf doch wenigstens gelohnt und jemand freut sich darüber. Mein Mittagessen fand ganz spontan im Restaurant statt:-) Abendessen fällt Taichi-Chigong zum Opfer und ab morgen gibt es wohl tagelang Gemüsesuppe…. sofern ich die Motivation finde diese zu kochen und sonst ist Rohkost angesagt. Verhungern werde ich auf jeden Fall nicht:-)

eure Piccolina