Märzenschnee-Wasser 2018

Die Abfüllung von Märzenschnee-Wasser wurde mit meinem Wegzug aus dem Saanenland ad acta gelegt … oder doch nicht? Pünktlich zum 1. März ist gestern hier an meinem neuen Zuhause die überraschende und stattliche Lieferung von 16 cm frischem, schön weissen Märzenschnee eingetroffen. Zwar nicht zur Freude aller aber das ist ja bei jedem Wetter das Gleiche!

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Früher war es ein alljährlich wiederkehrendes Ritual, an welches ich jetzt ohne Hilfe der Zeitung aus der alten Heimat wohl kaum mehr gedacht hätte.  Mein Vorrat an Märzenschnee-Wasser ist für meinen 1-Personen Haushalt noch mehr als reichlich aber trotzdem will ich doch testen, was das Greyerzer-Märzenschnee-Wasser wert ist.

Der eingesammelte Schnee schmilzt nun in den Schüsseln vor sich hin. Vorsichtshalber habe ich die Schüsseln mit Folie und Tellern abgedichtet. Ich will den Märzenschnee ja in eine Flasche abfüllen und nicht etwa als Luftbefeuchter einsetzen. Es braucht übrigens grosse Mengen von Schnee, um bloss einen Liter Wasser zu bekommen.

 

Was ist dran an der Geschichte mit dem Märzenschnee-Wasser? In meiner Familie war dieses kostenlose Heilmittel bei Sonnenbrand und Verbrennungen immer zur Hand. Bei meinem Umzug 2016 habe ich im Keller eine Flasche gefunden mit einer Etikette 1980. Mir war klar, dass diese Flasche den Umzug nicht mitmachen würde und ich habe aus Neugier die Flasche aufgemacht. Nichts, kein Geruch und rein gar nichts. Ich hätte das Wasser wahrscheinlich sogar trinken können. 

Für alle Ahnungslosen unter Euch, die vielleicht noch NIE etwas von Märzenschnee-Wasser gehört haben, folgt hier eine ganz einfache Erklärung. Märzenschnee-Wasser ist ein Volksheilmittel, welches vor allem in den Bergen über Generationen überliefert wird. Es wird benutzt für alle Arten von Verbrennungen und Sonnenbrand aber sollte NICHT auf offenen Wunden angewandt werden. Es wirkt sehr gut kühlend und verhindert bei sofortiger Anwendung auch das Entstehen von Brandblasen.

Mein Mann hat mich anfangs belächelt, nein sogar richtig ausgelacht. Sein erster Sonnenbrand in unserem gemeinsamen Leben war für mich die grosse Chance. Er war nicht nur überrascht von der Wirkung, sondern auch gleich voll überzeugt und ab diesem Moment, standen auch an seinem Arbeitsort und in der Hotelküche eine Flasche mit meinem Märzenschnee-Wasser. Die Wirkung von diesem Wunderwässerchen ist wirtschaftlich nicht belegt. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber ganz genau, dass es wirkt – warum auch immer?

Tatsache ist, dass Märzenschnee-Wasser während Jahren absolut frisch und geruchsneutral bleibt, während anderes Wasser nach einer gewissen Zeit schlecht oder faulig wird. Da wir das Wasser ja nicht trinken wollen und auch nicht für offene Wunden verwenden ist die Anwendung völlig ungefährlich und ich rate euch dazu, eure eigenen Erfahrungen damit zu machen.

Ein ganzseitiger Artikel im AvS hat mich heute an wieder daran erinnert und nun heisst es abzuwarten, was das Greyerzer-Wässerchen taugt.  An dieser Stelle möchte ich mich bei der Verfasserin des Artikels herzlich bedanken, dass sie mich genau zum richtigen Zeitpunkt an diese langjährige Tradition erinnert hat. 

Noch besser wäre es allerdings, nie in die Lage zu kommen das Märzenschnee-Wasser anwenden zu müssen. Beim Sonnenbrand lässt sich das ja bekanntlich gut vermeiden. Bei Verbrennungen in der Küche ist die Gefahr doch etwas grösser und daher steht meine Flasche mit dem Wunderwässerchen in Griffnähe in der Küche und ein Depot befindet sich im Badezimmerschrank.

Falls ihr eigene Erfahrungen mit Märzenschnee habt, freue ich mich sehr über eure Tipps und Kommentare:-) Bei mir schneit es zur Zeit gerade ziemlich stark, also für Nachschub ist noch gesorgt.

Bleibt alle schön cool …

eure Piccolina

P.S. irgendwie ist es wohl mit dem Märzenschnee-Wasser ähnlich wie mit der Murmeli-Salbe, erinnert ihr euch noch? Wie kommt bloss der März in die Flaschen?

 

 

 

Mein Erstlingswerk…

Als 6-jährige habe ich das erste Mal bewusst einen Scherenschnitt bewundert. 

Mein Mami war Mitglied im damaligen Kunstverein Saanenland und ich durfte mit ihr zusammen die Plakate für die zweite Ausstellung aufhängen. Für sie war es die erste Ausstellung mit ihren Kupferarbeiten. Wie gut erinnere ich mich an all die Ketten und Gebrauchsgegenstände, die sie liebevoll zugeschnitten, gehämmert, zusammengesetzt, emailliert und lackiert hat.

Stolz besuchten wir – die ganze Familie – die Vernissage im alten Schulhaus in Schönried. Die Schulstuben mit den hohen Türschwellen und den Holzböden sind mir in bester Erinnerung. Ebenso der feine Hobelkäse und die goldige Züpfe.  Ich erinnere mich so gut an diese Ausstellung als ob es gestern gewesen wäre. Landschaftsbilder, Rosenbilder, Webteppiche und Scherenschnitte.

Meine erste Begegnung mit dem Scherenschnitt bleibt unvergessen. Der ausstellende Künstler war und bleibt für mich immer das ganz grosse Vorbild. Ich konnte nicht verstehen, wie dieser für mich grosse und alte Mann mit seinen groben Händen so etwas Feines herstellen konnte.  Ob er wirklich alt und gross war, bin ich mir heute nicht mehr so sicher, aber als 6-jährige habe ich das so empfunden.

Viele Jahre später, habe ich Christian Schwizgebel persönlich kennen gelernt. Direkt vor seinem Haus war mir ein Reh ins Auto gelaufen. Das Reh blieb zwar zuerst liegen. Glücklicherweise hatten wir aber beide nicht mehr als einen Schock. Christian hat das Reh in seinem Gehege aufgenommen und gepflegt und nach ein paar Tagen wieder freigelassen. 

An einem Mittwoch im März 1984 war es dann soweit. Ich kaufte mir Scherenschnittpapier und in der Drogerie eine kleine Hautschere. Ich weiss ganz genau, dass es ein Mittwoch war. Meine Mutter hatte am Mittwoch immer Spätdienst an der Kasse im Hallenbad in Gstaad und als sie nach Hause kam, präsentierte ich ihr voller Stolz meinen allerersten Scherenschnitt.

Erstlingswerk

Ein Virus hatte mich gepackt und er hat mich bis heute nie mehr losgelassen. Scherenschneiden macht absolut süchtig. Es gibt Zeiten in denen die Sucht extrem gross ist und dann auch wieder Zeiten, wo ich mich fast wieder virenfrei fühle. Die Freude an der Arbeit, die ist geblieben und für mich ist das Scherenschneiden mein Kraftort und gleichermassen Energie- und Ruhespender.

Wer hätte damals denken können, dass es schon 5 Jahre später mein Beruf werden könnte.  Ich kann kaum glauben, dass der Scherenschnitt mich bereits das halbe Leben begleitet.  Es gibt Scherenschneider die schreiben über Ihr Schaffen ein Buch, ich werde mich mit einigen Blog-Beiträgen begnügen.

bald mehr von meiner „schnittigen“ Seite

eure Piccolina